Ochsen und Glyphosat

Gibt es eine Verbindung?

 

Als ich soeben auf eine Internet-Seite verzweigte, die Brauereien in Mainfranken repräsentiert, bin ich auf folgenden Text gestoßen, der mich zum Schmunzeln und auf die Idee brachte, ihn hier – aus gutem Grund – zu kommentieren:

 

Bierweisheit

 

Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft

dem Menschen Bier und Rebensaft

Drum danke Gott als guter Christ

dass du kein Ochs geworden bist

 

Pikant ist dabei, dass der Text von einer Brauerei stammt, die in Ochsenfurt braut. Das gibt mir natürlich Gelegenheit, einen alten Kalauer wieder aufzuwärmen:

 

Frage: „Warum ist Ochsenfurt so eine intelligente Stadt?“

Antwort: „Weil alle Ochsen furt sind“.

 

Das geht auch mit Schweinfurt ähnlich, passt aber nicht zum Thema.

 

Sind wirklich alle Ochsen furt?

 

 

 

 

Warum mir nun die Verleihung des „Gambrinus“ der Gemeinschaft Mainfranken Bier an den Glyphosat-Minister (Zitat Süddeutsche Zeitung) einfällt, hat seinen besonderen Geschmack.

 

https://www.tvtouring.de/mediathek/video/gambrinus-2017-fuer-landwirtschaftsminister-christian-schmidt/

 

Ich habe davon zuerst in der Zeitschrift "Tiepolo" gelesen, die in einem Hotel in Franken auslag. Unter dem Titel „Engagement für die Region“ wird von der Verleihung des „Gambrinus“ an Christian Schmidt berichtet. Darunter ein Foto, das sechs Brauereivertreter zeigt, sowie den Minister mit einer Hand an der Figur, die andere Hand gehört Herrn Pritzl.

 

Aus Tiepolo: Der Vorsitzende der Gemeinschaft, Karl-Heinz Pritzl, würdigte Schmidt als Politiker, der sich nahe am Alltag der Menschen für eine Umweltpolitik mit Augenmaß und Stärkung der Regionalität einsetze. Dabei spiele sein Engagement für den Erhalt regionaler Rohstoffe und Produkte eine wichtige Rolle. Sie stehen wie wir von der Gemeinschaft Mainfranken Bier für Regionalität als Gegenentwurf zur Gleichmacherei in einer globalen Wirtschaft“ sagte Pritzl in seinem Laudatio. Das Gebot der Stunde sei nicht ein Umweltengagement, das sturer Ideologie folgt, sondern ein auf Einsicht und Machbarkeit aufgebautes Handeln, so Pritzl. Genau das tue der neue Gambrinus-Preisträger im besten Sinne.

 

Geht man auf die Internet-Seite der Vereinigung, findet man eine ansprechende Grafik der Biere, die ich aus lizenzrechtlichen Gründen nicht kopieren darf. Aber schauen Sie selbst:

 

http://www.mainfranken-bier.de/

 

 

Hiermit stelle ich zu meiner eigenen Überraschung fest, dass ich tatsächlich Reklame für die Brauer mache. Aber leider muss ich sie im Gegenzug etwas in die Pfanne hauen und das tut mir fast etwas leid. Nutzt aber nichts, jeder ist nun mal für seine Handlungen selbst verantwortlich.

 

 

Ich habe dem Verantwortlichen einen freundlichen  Brief nach Ochsenfurt geschrieben: Ein Auszug daraus:

 

...es ist ja allgemein bekannt, dass sich Herr Schmidt für die Verwendung von Herbiziden in der Landwirtschaft – z.B. Glyphosat - einsetzt und dafür von der Süddeutschen Zeitung schon als „Glyphosat-Minister“ tituliert wurde.

 

Ich weiß nun nicht, was Sie bewogen hat, ausgerechnet diesem Herrn, der Schaden für den Konsumenten nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern den Einsatz von Gift offensiv vertritt, einen solchen Preis zu verleihen. Wenn ich aber Ihre obigen Bemerkungen versuche, zu interpretieren, kann ich einen Gleichklang mit der Glyphosat-Philosopie des Ministers nicht ausschließen.

Ihnen sind sicher die Veröffentlichungen der letzten Monate bekannt, die sich mit dem Thema „Glyphosat im Bier“ beschäftigen. Für mich war die Aufzählung der mit Glyphosat-Belastungen im Bier überführten Brauereien

eine gute Konsumentenhilfe.

Ich habe, wenn ich in der Gegend bin, Kauzen-Bier immer gerne getrunken. Nun komme ich aber auf die Idee, wissen zu wollen, wie es mit den Glyphosat-Anteilen in den von Ihnen vertriebenen Bieren aussieht.

 

Mit Verlaub, im Interesse der Mainfranken-Biere halte ich die Verleihung des Gambrinus an Herrn Schmidt für eine groben Lapsus....

 

 

Schauen Sie auch auf den Beitrag, den ich auf meiner anderen Internet-Seite veröffentlicht habe:

 

https://www.heinzelflein.de/glyphosat/krebserregendes-bier/

 

 

Bier aus Franken enthält kein Glyphosat

 

Die „Gemeinschaft Mainfranken Bier“ hat geantwortet. Ich zitiere auszugsweise:

 

Grundsätzlich verwenden die fränkischen Brauereien nachweislich nur reine natürliche und naturbelassene Rohstoffe. Der gesamte Prozess, von der Rohstoffgewinnung bis zur Auslieferung des Bieres unterliegt strengen Kontrollen. Außerdem sind unsere Biere, wie die beiliegende Bestätigung zeigt glyphosatfrei – wie alle fränkischen Brauer, soweit ich weiß“.

 

Der Prüfbericht, ausgestellt von der Firma „Ullrich Analytik Gmbh“

liegt dem Schreiben bei. Und als Postskryptum noch ein Satz:

 

Die Auswahl des Gambrinus-Preisträgers erfolgt durch die Mitgliedsbrauereien. Herr Minister Schmidt hat sich in einer Vielfältigkeit für die Regionalität eingesetzt, sein Standpunkt für Glyphosat wurde hierbei nicht bewertet.“

 

Ich muss sagen, das macht mich richtig froh. Nicht, dass die Brauer nicht genau hingeschaut haben und den im falschen Pelz wandelnden Pseudo-Heimatschützer für einen öffentlich positiv besetzten Preis ausgewählt haben. Und nicht bemerkt haben, dass dessen Wirken dem Bier schadet. Nein, nur weil das Bier giftfrei ist. Ich mag positive Nachrichten, wenn es um Bier und Wein geht, vor allen Dingen, wenn sie aus Franken kommen.

 

Was den Herrn Minister betrifft, hoffen wir doch, dass er seinen Standpunkt noch ändert. Und wenn es nur daran liegt, dass die Kanzlerin als größte Giftspritzer-Befürworterin von den Koalitionsparteien zurechtgestutzt wird. Dann darf auch Herr Schmidt neben seinem Eintreten „für die Regionalität“ seine Einstellung anpassen, ohne von der Chefin die Ohren langgezogen zu bekommen.

 

Was die Frage betrifft, ob alle Ochsen furt sind, glaube ich, sie beantworten zu können. Es sind weniger, als ich dachte, aber es gibt sie noch. Ansonsten kann ich nur empfehlen, wenn man mal in der Gegend ist, auch nach Ochsenfurt zu fahren. Man kann so schön an den Mainanlagen entlang gehen. Oder in der Altstadt ein Bier trinken. Zuletzt war ich da, weil ich am Tage eines Fußballspiels der deutschen Mannschaft in Brasilien in unserem Quartier im "Schiff" zu Winterhausen kein Bier mehr bekam. Den Tod im Nacken und den Ochsen im Blick. Wie das nun zusammenhängt, werde ich Ihnen hier nicht sagen. Kriegen Sie es selbst heraus. Oder rufen Sie mich an.

 

Heinz Elflein

18.10.2017

 

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