Hans Ruck klärt auf

 

 

 

 

Das Weingut Ruck kennen wir schon sehr sehr lange. Von dem vorzüglichen Wein (z.B. Rieslaner) ließen wir uns gern verführen. Über die jährlichen Anschreiben mit der neuesten Weinliste und netten Familienereignissen haben wir uns immer gefreut.

 

Eines Tages – als wir in Iphofen Wein kauften - erhielten wir von der Großmutter einen Datenträger, der sich mit dem Abfall von Bayern und der Ausrufung eines neuen Bundeslandes Franken in der Würzburger Residenz beschäftigte. Es hat uns köstlich amüsiert. Ob es auch ein Teil der „Reportage“ war, Verkehrssünder, die aus Restbayern kommen, würden ausgewiesen – in die Türkei - ist mir jetzt nach so langer Zeit nicht mehr erinnerlich. Könnte auch meine eigene Idee gewesen sein. Das ist nun auch schon Jahrzehnte her, begeistert aber immer wieder.

 

Billig waren Rucks Weine nie. In der Zeit, als das Weingut Kontakte nach Japan aufnahm, stiegen die Preise nach unserem Empfinden.

 

Vor etlichen Wochen, als ich mal wieder nach Winzern recherchierte, habe ich Ruck direkt angeschrieben, ob man Glyphosat einsetzen würde, aber keine Antwort erhalten. Was für mich auch eine Antwort war. Nun hat mich mein weinkundiger Bruder auf das Interview hingewiesen, dass Hans Ruck der Mainpost angedient hat.

 

Hans Ruck, Winzer aus Iphofen, findet, dass es Zeit sei, Verbraucher aufzuklären und hat deswegen die Main-Post kontaktiert. Da nimmt er kein Blatt vor den Mund.

 

https://www.mainpost.de/regional/kitzingen/Flut-von-Auflagen-Winzer-Ruck-nimmt-kein-Blatt-vor-den-Mund;art415898,10346208

 

Das Motto dabei müsse immer lauten: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Wie könnte man ihm da widersprechen. Ruck: Auch Winzer leiden unter den ständig wachsenden Auflagen – und dem Zeitgeist.“

Ich denke, es bleibt ihm unbenommen, dies aus seiner Warte zu sehen. Dem Konsumenten auch. Machen wir uns doch mal den Spaß. Ganz ernsthaft. Gestatten Sie, dass meine Wenigkeit die Rolle des Letzteren einnimmt. Leute, die das besser könnten, sind zur Zeit nicht in meinem Büro.

 

 

Rucks Interview und meine Bemerkungen

 

 

Hans Ruck

Heinz Elflein

Die Furcht vor Glyphosat ist unbegründet.“

Es gibt genügend bekannt gewordene Gründe.

Er bleibt dabei. Aus eigener Erfahrung

Seine Erfahrung dürfte wohl nicht repräsentativ sein.

ein Bruder von Box-Europameister Rene Weller – habe ein Stamperl Glyphosat vor den Augen der staunenden Winzerkollegen getrunken.

Wenn sie da nicht einem Taschenspielertrick zum Opfer gefallen sind.

Hans Ruck kennt viele Kollegen, die über Jahrzehnte hinweg regelmäßig mit Glyphosat in Verbindung gekommen sind. Von einer erhöhten Krebserkrankung in seinem Berufsstand ist ihm nichts bekannt.

Ich bezweifle, dass er methodische Studien kennt, falls es diese gibt. Er möge sich aber bitte informieren, wie es einem Kellermeister von Schloss Löwenstein in Kleinheubach ergangen ist.

Landwirte und deren Angehörige würden gemobbt und gesellschaftlich ausgegrenzt. „Einige müssen psychologisch therapiert werden.“

Dazu möchte ich aus pietätischen Gründen meine Meinung zurückbehalten.

Der sachgemäße Umgang sei beim Glyphosat entscheidend – für Mensch und Natur –

Ein Argument, das auch schon christliche Minister von sich gegeben haben. Es ist eine Floskel. Wie bitteschön, ist denn sichergestellt, dass der Umgang immer sachgemäß statt findet. Im Übrigen wird damit zugegeben, dass das Zeug gefährlich ist.

Es wird ja nur ein kleiner Streifen von etwa 30 Zentimeter unter den Stöcken behandelt. Die Reben kämen mit dem Herbizid gar nicht in Kontakt. „Sonst gingen sie ja ein.“

Unterstellen wir mal, dass die Reben wirklich nichts abbekommen. Wird ja immer sachgemäß gearbeitet. Aber was ist mit den Wurzeln, der Bodenstruktur und den Kleinlebewesen. Die Reben holen ihre Nahrung aus den hingerichteten Böden in die Trauben. Ein bekannter Weinhändler sagt, man kann es schmecken. Hier unten links kann man sehen, was ein Wissenschaftler aus Deutschland davon hält.

 

 

Über Jahrzehnte haben die Winzer in Iphofen das Unkrautvernichtungsmittel ausgebracht. „So wie überall in Franken. Das war Standard.

Es gibt einige Winzer in Iphofen, die keine Herbizide brauchten. Anderswo in Franken auch. Für die, die es brauchten, wird ihnen ihr „Standard“ Wettbewerbsnachteile bringen. Das Argument, es würde immer so gemacht, wiegt genau so wenig, wie das Gegenteil.

Sein Sohn, der den Betrieb vor zehn Jahren übernommen hat, stellt trotzdem um. „Das ist auch richtig so“, urteilt der Senior.

Letztendlich wäre ihm nichts anderes übrig geblieben. Glyphosat wird verboten. Dann kann man auch wieder hervorragende Ruck-Weine trinken.

Die Verbraucher sind in den letzten Jahren manipuliert worden“, urteilt Hans Ruck.

Denke eher, die Winzer sind von Monsanto manipuliert worden.

Welche Konsequenzen das für die Winzer hat, sei den meisten unbekannt.

Wer sich Gedanken darüber macht, erkennt wohl, dass es für Landwirte nicht leichter wird. Das Gemeinwohl ist aber höherwertig. Und es liegt auch eine Chance darin.

Seit diesem Jahr verzichtet das Weingut Ruck gänzlich auf den Einsatz von Glyphosat.

Gezwungenermaßen. Herzlichen Glückwunsch. Es kommt zwar spät. Aber Regenwürmer pflanzen sich wieder fort und Vögel finden wieder Regenwürmer.

Ob die Arbeit deshalb umweltverträglicher ist, bezweifelt Hans Ruck.

Da mag er kurzfristig Recht haben. Den Winzern muss geholfen werden. Es sind aber bereits Konzepte da. Und es wird deshalb zwangsläufig einen großen Umbruch in der Landwirtschaft geben.

Was das für die Ökobilanz bedeutet, hat er ausgerechnet: 44 Liter mehr Diesel – pro Hektar.

Daran muss gearbeitet werden. Es braucht intelligente Konzepte. Ist aber kein akzeptabler Grund, weiter Glyphosat einzusetzen.

 

 

Mehr Sachverstand wünscht sich Hans Ruck von der Politik. Und von den Verbrauchern mehr Verständnis.

Das sehe ich auch so. Ist aber nicht so einfach, bei den zur Zeit vorwiegenden politischen Konstellationen. Verständnis braucht man auf beiden Seiten.

Wir stehen unter ständigem Tatverdacht, werden von vorn herein kriminalisiert.“

Druck auf die Tränendrüsen.

Keine Generation hat der nächsten einen ökologischen Scherbenhaufen hinterlassen“,betont der 69-Jährige. „Und das soll auch so bleiben.“ Das sei auch in Zeiten von Glyphosat nachweisbar.

Gut, wenn das bei ihm so ist. Kenne aber einen Weinhändler, der von toten Böden in den Hängen am Main berichtet. Der Krieg gegen die Natur setzt sich auf von jahrelangem systematischen Herbizideinsatz versinterten, toten Böden auf brutal sichtbare Weise fort.“

 

 

Den Boden zwischen den Zeilen begrünen die Rucks seit vielen Jahren. Gras und Kräuter wachsen dort, viele Pflanzenarten kommen auch natürlich vor.

Gefällt mir, aber Dauerbegrünung hat nun wirklich nichts mit Herbiziden oder den Verzicht darauf zu tun. Das wird schon seit Jahrzehnten im konventionellen Weinbau praktiziert, meist jede zweite Zeile wegen Trockenstressrisiko.
Im Nachbarort Wiesenbronn sieht man das seit Jahrzehnten, nicht nur zwischen den Zeilen.

 

 

Gegen den echten und den falschen Mehltau müsse der Winzer nun mal etwas tun. „Sonst ist die gesamte Ernte und irgendwann auch die Existenz des Betriebes in Gefahr.“

Wünsche den Betrieben, ökologisch alles richtig zu machen und trotzdem wirtschaftlich gut zu bestehen. Aber hier lenkt Hans Ruck ab. Mehltau kann man wohl nicht mit Glyphosat bekämpfen.

 

 

 

Wenn ich das Interview insgesamt bewerte, denke ich, hier hat Hans Ruck eine Chance vertan. Mit Plädoyers für den Einsatz jeglicher Art von Herbiziden, kann man bei aufgeklärten Verbrauchern heutzutage keinen Blumentopf mehr gewinnen. Schon gar nicht bei gut informierten Weinfreunden. Da hat er seinem Sohn ein faules Ei ins Nest gelegt.

 

Wie gut, dass es sachkundige, seriöse Mitmenschen gibt, die ihr Wissen auch weiter geben. Erlaube mir noch einen guten Rat an Hans Ruck, ohne ihm zu nahe zu treten oder bevormunden zu wollen.

 

Er möge sich bitte bei Winzern, die schon länger ohne Herbizide arbeiten oder nie damit gearbeitet haben, umhören. Kann ihm gerne Adressen mitteilen. Die stehen aber auch auf dieser Internet-Seite.

 

Wenn wir demnächst in der Zeit, in der Rucks ohne Glyphosat erzeugte Weine in der Flasche sind, in Iphofen verweilen, werden wir gerne wieder bei ihm vorbei schauen. Vielleicht ist dann eine neue Kopie der „Franken-als -Bundesland“ Geschichte aufzutreiben. Bis dahin trinken wir die Frankenweine, von denen wir wissen, dass sie unbedenklich sind. Die gibt es - Gott sei gedankt - reichlich, nicht nur in Iphofen. Auch darüber hinaus.

Heinz Elflein

30.11.2019

Ich möchte aber auch übernehmen, was der Weinhändler Martin Kössler zu dem Thema schreibt:

https://www.weinhalle.de/lexikon/glyphosat.html

 

 

Neueste Nachricht: Monsanto soll deutschen Wissenschaftler, der Berater der Bundesregierung ist, für seine Gutachten bezahlt haben.

 

Wundert das?

 

 

 

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05.12.2019

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