Besteigung des Kallmuth

 

 

Mai 2016

Ich zitiere mich mal selbst:

 

Eigentlich möchte ich eines Tages im Mai wieder den Berg hinauf steigen, die Asphodill-Blüte fotografieren um mich dann mit einem kühlen Silvaner und einer kleinen Brotzeit in den Berg zu setzen. Vielleicht kommen dann meine Lieben von oben dazu. Wegen des Wetters habe ich keine Besorgnis. Ich weiß ja, dass die aufsteigende Wärme des Homburger Kallmuth die Wolken abweist. Mystik pur.

 

Hatte ich im September 2015 geschrieben. Es hat mir so lange auf der Seele gelegen, dass wir beschlossen, das genau so auszuführen. Am Donnerstag, den 19.05. 2016, trudelten wir im Schloss zu Kleinheubach ein. In dem Gebäude mit der Aufschrift „Vinothek“ war niemand. Ich hörte aber Stimmen aus der ersten Etage. In der Annahme, es sei mein Bruder mit Frau, rief ich „Hallo, wir sind da“. Es war aber niemand da, außer der Prinzessin, wie sich später herausstellte. Sie klärte uns freundlich auf, dass sich die Vinothek nun am anderen Ende des Schlossgrundstückes befände.

Dort erwartete uns  Bruder und Frau mit Kellermeister Bastian Hamdorf.

 

 

Der Erbprinz

Mit in den Weinberg gehen, um uns die Standorte der Asphodillen zu zeigen, war leider nicht möglich. Der Kallmuth liegt ja auch nicht gerade nebenan. Aber die Auskunft, wir sollten den obersten Weg am Wein gehen, dann würden wir sie schon sehen, half uns auch schon weiter. Dazu zwei Flaschen des herrlichen Silvaners gleichen Namens „Asphodill“, die für den nächsten Tag das vorgesehene Picknick veredeln sollten. Bastian Hamdorf erläuterte uns noch mit einer kleinen Weinprobe die aktuellen Weine des Weinguts Fürst Löwenstein.

Die sich an diesem Tag noch anschließenden weinigen Aktivitäten waren so interessant, dass ich sie hier nicht in einigen Nebensätzen behandeln möchte. Das hätten sie nicht verdient, es gehört aber nicht zum Thema.

Bild

Näher am Homburger Kallmuth liegt Wertheim. Ich hatte für die Übernachtungen den Lindenhof in Kreuzwertheim ausgewählt, mit dem wir langjährig verbunden sind. Aber auch, weil ich dem Rest der Familie die blauen Zipfel von Ingolf Wiessler näher bringen wollte. Den für den nächsten Tag vorgesehenen Picknickkorb für den Vesper nach der Besteigung des Kallmuth hat er hervorragend und liebevoll zusammengestellt.

 

Freitag, 20.05.2016

Der große Tag war gekommen. Wir fuhren hinüber nach Homburg und parkten unverschämterweise direkt bei den Ziegen. Vor der obersten Reihe der Rebstöcke. Das Wetter war nicht gerade gut, aber es regnete nicht. Von aufsteigender Hitze aber auch keine Spur. Um die Ecke pfiff ein frischer Wind.

 

 

 

Jetzt galt es, die Asphodillen zu finden. Unterstützung war keine mehr da. Mein Bruder hat sie dann gefunden. Weil er den oberen Weg ganz zu Ende gegangen ist, wo ich schon aufgegeben hatte.

 

 

Somit hatten wir uns das Picknick redlich verdient. Dazu verließen wir den Seiteneinstieg und begaben uns auf den Berg. Ganz oben, wo es vermutlich für die Orchideen zu ungemütlich ist. Bank und Tisch für das Picknick haben freundliche Mitmenschen irgendwann aufstellen lassen.

 

 

Damit war es aber noch lange nicht genug. Nur von der Seite und von oben ist uncool. Nein, der Berg musste von unten bekraxelt werden, wie es die Weinbergsarbeiter auch tun. Mein Bruder und ich haben es gepackt, es war teilweise etwas eng. Wenn ich es mir richtig gemerkt habe, waren es 211 Stufen.

 

 

 

 

Belohnt wurden wir durch den tollen Blick. Unten am Mainufer, neben dem Pkw mit dem Münchner Kennzeichen kann man deutlich Marianne und Ioulia sehen.

 

Es war schon ein tolles Erlebnis. Falls wir wiederkommen, picknicken wir nur noch. Wo die Asphodillen stehen, verraten wir niemanden.

 

Heinz Elflein

Mai 2016

Nachtrag:

 

Im Familienkreis ist nun die Diskussion aufgekommen, ob wir tatsächlich die „richtigen“ Asphodillen gefunden haben oder nur eine Abart. Sucht man in der einschlägigen Literatur, sehen die „echten“ noch etwas anders aus. Wenn das so wäre, stellt sich die Frage, ob wir die "richtigen" nicht gefunden haben, oder ob es die am Kallmuth überhaupt nicht gibt. Bezeichnenderweise ist auch kein Bild oder Foto auf der Übersichtstafel am Kallmuth zu sehen. Auf der Internet-Seite des Weinguts Fürst Löwenstein kann man nach einigem interaktiven Suchen jedoch eine Abbildung finden, die mit der identisch ist, die wir fotografiert haben.

 

 

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