Zehnthof Luckert, Sulzfeld

 

 

 

 

 

 

 

Dass in Sulzfeld am Main guter Frankenwein wächst, wissen wir schon seit Jahrzehnten. Nur hatten wir seinerzeit andere Weinfavoriten.

 

Warum sich das geändert hat, hat mit meinem Bruder zu tun. Immer auf der Suche und bemüht, gute und weniger gute Weine auseinanderzuhalten, kam er auf das Problem mit der Reinzuchthefe.

 

Für die, die sich nicht so gut auskennen, eine kurze Erläuterung vom Laien. Reinzuchthefen sind künstlich. Der Geschmack der Weine kann dann ebenso künstlich ausgerichtet und auch geschönt werden. Das bringt allerdings eine gewisse Uniformität. Es gibt aber Betriebe, die keine Reinzuchthefen verwenden, sonder auf das vertrauen, was Trauben und Keller an Naturhefen an sich haben. Nachteil ist, dass der Winzer während der Gärung darauf vertrauen muss, einen verkehrsfähigen Wein zu erhalten. Es kommt vor, dass die Gärung vorzeitig aufhört und das wars dann. Es ist also ein wirtschaftliches Risiko. Geht es gut, haben die Weine allerdings den Vorteil, ihren eigenen Charakter zu haben und nicht so zu schmecken,wie es industriell vorgegeben ist.

 

Wenn wir einen Wein, der spontan vergoren wurde, neben einem, der mit Reinzuchthefe erzeugt worden ist, stehen haben und wählen sollen, welcher geöffnet wird, wird es meist der spontan vergorene sein.

 

So kam also mein Bruder eines Tages mit einer Flasche Silvaner vom Weingut Zehnthof Luckert daher und der Wein hat uns zugesagt. Die Adresse:

 

http://www.weingut-zehnthof.de/#!/

 

Als wir vor etlichen Jahren in Sulzfeld eingefahren sind, um direkt im Weingut einzukaufen, war es nicht ganz einfach, Luckert zu finden. Der direkte Weg war durch einen Lieferwagen versperrt, der am Rande des Marktplatzes, neben dem Michelskeller stand. Wir wussten aber damals noch nicht, dass es der direkte Weg war. So fuhren wir im Schritt durch das mittelalterliche Sulzfeld, durch alle engen Gassen und vorbei an den Kulissen der Fachwerkhäuser, die heute so nicht mehr gebaut werden könnten. Schließlich standen wir mit unserem Kombi vor der Tür und wurden von der Mutter der Inhaber hereingebeten und gut versorgt. Ich erwähne das nur, weil es durchaus ein Lustgewinn ist, auf diese Weise beim Zehnthof Luckert einzukaufen. Die Gemeinde Sulzfeld wird allerding Fahrzeuge nicht allzu gern innerhalb ihrer historischen Mauern sehen wollen. Ein großer Parkplatz ist außerhalb der Mauern direkt am Main. Es ist aber nicht zumutbar, die Kisten dahin zu schleppen. Heutzutage fahren wir nicht mehr direkt zum Weingut, sondern kaufen Luckert-Weine bei  Lavinesse (Hartwig Fricke) in Düsseldorf oder von der Weinhalle in Nürnberg. Was auch den Vorteil hat, dass unser Kofferraum bei der Rückfahrt noch Platz für andere Landesprodukte hat. Man kann sich die Weine natürlich auch direkt schicken lassen. Aber Luckert ist bei den Frachtkosten nicht gerade entgegenkommend.

 

Als ich im September 2014 etwas zu Feiern hatte, habe ich das mit meinen Freunden aus dem Großraum Düsseldorf bei Schwabs Landgasthof in Schwarzach am Main zelebriert. Anschließend gelang es mir noch, die Mehrheit mit nach Sulzfeld zu locken, wo wir noch zwei Übernachtungen im Vinotel Augustin dazugelegt haben. Dann hielt mich natürlich nichts mehr und ich musste die Gruppe noch unbedingt durch die Weinberge lotsen. 

 

Sulzfeld

 

 

Die Weinhalle “ in Nürnberg hat auf ihrer Internetseite über Luckerts „einfachen“ Silvaner nachstehenden Text geschrieben:

 

Luckerts vergären auch ihren »einfachen« Guts-Silvaner auf der wilden Hefe und reifen ihn im großen traditionellen Holzfaß bis in den Januar hinein auf der Vollhefe. Er ist das Herz ihres Betriebes, ihr wichtigster Wein. Da muß er was können, sonst macht er als Gutswein keinen Sinn. Tatsächlich gibt er sich spannend grünlich würzig, reintönig und expressiv im Rebsortencharakter. 2015 erweist sich bei Luckerts als umwerfend guter Jahrgang. Sie haben ihn in Weinberg und Keller präzise auf den Punkt getroffen. Niedriger im Alkohol als üblich, saftig wie selten und von einer appetitlichen Präzision, die zu beschreiben mir richtig schwer fällt.

 

 

Der Zehnthof in der FAZ

 

 

Jakob-Strobel-y-Serra-besucht-das-Weingut-Zehnthof-Luckert

 

 

Hat mir doch vor einigen Tagen eine nahe Verwandte einen Artikel vom „Zehntkeller“ in Iphofen aus der FAZ gegeben. „Sehr guter Artikel meinte sie. Musst Du lesen“ Und bemerkte so nebenbei, wie gut wir da gegessen haben. Stimmt alles, nur der Artikel berichtet über den „Zehnthof“ und der ist in Sulzfeld. Essen kann man da nicht, aber es ist ganz nah zu mindestens dreien der fränkischen Gaststätten in Sulzfeld, wo es meiner Frau und mir ausgezeichnet geschmeckt hat.

 

Sehr oft, wenn ich einen Artikel über Weine in der FAZ lese, stammt er von

Jakob-Strobel-y-Serra

 

 

Bevor ich mich nun noch einmal dem Zehnthof zuwende, möchte ich doch auch ein Kompliment an ihn loswerden. Er schreibt sehr fundiert und blumenreich. Ich wäre nicht in der Lage, Weine auf diese Weise zu beschreiben. Ein Beispiel:

 

Steinriegel-Riesling mit seiner Pfirsich-Vanille-Opulenz, den Terrassen-Weißburgunder mit seiner Schwelgerei in rauchiger Mineralität oder den Chardonnay vom Sonnenberg mit seiner prunkvollen Apfelsäure, allesamt barocke Sonnenkönige, keine Rokoko-Elfen.“

 

Manchmal lese ich auch Begriffe, die ich nie vorher gesehen habe. Wussten Sie, was „Dosage“ ist? Oder wer sich hinter einem „fürstbischöflichen Decimator“ versteckt?. Ich weiß es jetzt, möchte Sie aber ein wenig raten lassen.

 

Was mir auch nicht bekannt war, ist der Unfalltod von Theo Luckert 1971, dem Vater der jetzigen Inhaber. Zehn Jahre vorher hatte er – als ehemaliger Kraftfahrer – das Weingut erworben.

 

Widerspruch habe ich allerdings zu zwei Punkten aus dem Beitrag erhalten.

1.:  Wenn Ulrich Luckert seinen Silvaner über den Riesling erhebt. Er hat sich aber sehr differenziert geäußert, das würde ich also so stehen lassen.

 

2.: Luckerts Weine gibt es durchaus auch im Onlineshop. Natürlich bei der Weinhalle in Nürnberg. Aber diesen, geführt von Martin Kössler, würde ich nicht mit einem „normalen“ Onlineshop vergleichen.

 

Heinz Elflein

04.06.2019

 

 

Als langjähriger Konsument der Weine vom Zehnthof, der diese in Düsseldorf kaufen kann, sage ich nur, die Weine sind nicht gerade billig, aber sie sind jeden Cent wert. Ganz wichtig: Es sind Bioweine, gottseidank kein Glyphosat in Boden und Wein.

 

 

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