Bayer auf der Anklagebank

Momentan kommt es knüppeldick für Bayer/Monsanto. Fast täglich liest man in den Gazetten etwas, was den Konzern in Bedrängnis bringt. Den Managern dürfte es gar nicht gefallen. Die Schlinge zieht sich zu. Die Aktie fällt und fällt. Der Management-Fehler wird offenbar.

 

T-Online:

 

Die Bayer-Tochter Monsanto sieht sich in den USA mit zahlreichen Klagen wegen angeblicher Krebsgefahren des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup konfrontiert. Vor Gericht erlitt der Saatgutriese nun eine Schlappe. Dies sorgte an der Börse für ein Beben.

 

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat in den USA einen wichtigen Teilprozess um angebliche Krebsrisiken von Produkten der Tochter Monsanto verloren. Danach ist die Bayer-Aktie an der Börse in Frankfurt am Main eingebrochen. Das Papier des Konzerns stürzte bei Öffnung der Börse am Mittwochmorgen um mehr als zehn Prozent ab.

Eine Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco befand am Dienstag einstimmig, dass das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen ist.

 

Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht von der Entscheidung der Jury. Dennoch sei das Unternehmen weiterhin fest davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen. Bayer sei zuversichtlich, im zweiten Teil des Prozesses beweisen zu können, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte. Die Klagewelle gegen Bayer war so richtig ins Rollen gekommen, nachdem eine Geschworenenjury dem Krebspatienten Dewayne Johnson in einem anderen Verfahren im August insgesamt 289 Millionen US-Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung zugesprochen hatte. Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11 200 Klägern zugestellt. In den nächsten Tagen soll bereits ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten. Bayer-Chef Werner Baumann auf der Hauptversammlung am 26. April harscher Aktionärskritik stellen müssen. So bezeichnete Christian Strenger, Gründungsmitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, den Monsanto-Kauf in einem dem "Manager Magazin" vorliegenden Brief unlängst als "den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte". Strenger fordert laut dem "Manager Magazin", Baumann und seinen Vorstandskollegen die Entlastung zu verweigern. “

 

Man könnte nun hämisch und schadenfroh sein. Schließlich hat Bayer alle Warnungen und Proteste in den Wind geschlagen. Noch vor einigen Tagen hat der Bayer Chef Werner Baumann geäußert, er würde es wieder so machen. Das halte ich für ein Pfeifen im Walde.

Wenn ich etwas in die Zukunft schaue, glaube ich, die Tage des Herrn als Vorstands-Chef von Bayer sind gezählt. Das ist aber nicht das Problem, mit dem wir uns beschäftigen sollten. Seine Abfindung wird nicht klein sein, sofern er nicht Schadenersatz leisten muss, womit nicht zu rechnen ist. Problematisch ist allerdings, dass Bayer nun wegen des gesunkenen Gesamtwertes zu einem Schnäppchen für Übernahmeinteressenten geworden ist. Die dürfte es wohl geben. Spätestens dann, wenn die juristischen Auseinandersetzungen beendet sind.

Es gibt noch zwei Punkte, die ich etwas beleuchten möchte. Die Umweltschäden, die Roundup anrichtet und das Verhalten der deutschen Behörden und Politiker.

 

Bayer klammert sich daran, zu behaupten, dass die Unschädlichkeit bezüglich Krebserkrankungen „wissenschaftlich“ erwiesen ist. Kein gutes Argument, wenn man weiß, dass die „Gutachten“ von Monsanto beeinflusst, mehr oder weniger auch selbst geschrieben worden sind. Es geht ja auch nicht nur um Krebserkrankungen. Man möge sich nur die mit Roundup kaputt gespritzen Weinberge zwischen Kitzingen und Volkach anschauen. Und Bienen führen keine Prozesse, sie sterben still und nach ihnen der Mensch.

 

Was mir auch ganz besonders auffällt ist, wie in der EG und ganz besonders in Deutschland mit dem Thema umgegangen ist. Da wünscht man sich etwas mehr Konsequenz a la USA. Wer sich das Verhalten einiger CDU/CSU-Politiker (Schmidt, Klöckner), sowie das der für die Genehmigung der Gifte zuständigen Behörden zu Gemüte führt, versteht die Welt nicht mehr. Wie war das noch mit dem „Schaden für das deutsche Volk fernzuhalten“-Spruch? „Das Volk“ besteht aus jedem von uns und nicht aus den Vorsitzenden großer Konzerne.

 

Natürlich werden die Genannten nicht von Bayer/Monsanto besoldet, auch wenn bei manchem von uns der Verdacht aufkommen könnte. Das ist aber abwegig, die Damen und Herren haben ja alle einen Diensteid geschworen, wer käme da auf die Idee von Bereicherung und Bestechlichkeit.

 

Vom Umweltinstut aus München stammen nachstehende Zeilen. Sie haben sich angreifbar gemacht, was sich daran zeigt, dass ein Weg gefunden wurde, ihnen die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. 

 

Vom Umweltinstitut

Umweltinstitut München e.V.

Landwehrstr. 64 a

80336 München

Tel.: (089) 30 77 49-0

Fax: (089) 30 77 49-20

E-Mail: info@umweltinstitut.org

www.umweltinstitut.org

Text: Christine Vogt

Redaktion: Kerstin Viellehner, Joy Mann

Gestaltung & Illustrationen: Rebecca Lein

 

 

Streit um Pestizid-Zulassungen

 

Vor Kurzem hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 18 Ackergifte zugelassen, ohne dass das

Umweltbundesamt (UBA) die dafür nötige Zustimmung erteilt hat. Das UBA bezeichnet diese Genehmigungen – wie zuvor auch Umweltministerin Svenja Schulze – als rechtswidrig und fordert nun, die Zulassungen zurückzunehmen. Alle Hintergründe dazu finden Sie in unserer Meldung.


 

 


 


 


 


 


 

http://www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/2019/ackergifte-rechtswidrig-zugelassen.html?utm_source=CleverReach&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter+-+21.03.2019&utm_content=Mailing_7274796

 

Pestizide in der Landwirtschaft

 

Pestizide werden vor allem in der konventionellen Landwirtschaft in großen Mengen eingesetzt.

Allein in Deutschland landeten im Jahr 2017 über 95.000 Tonnen davon auf den Äckern. Diese Mittel vernichten nicht nur Schaderreger, sondern auch so genannte Nichtzielorganismen, die gar nicht getroffen werden sollen. Dazu gehört eine Vielzahl an Nützlingen wie Bienen, Schwebfliegen oder Regenwürmer. Totalherbizide wie Glyphosat – das weltweit am häufigsten eingesetzte Ackergift – wirken sich außerdem direkt und indirekt negativ auf die Biodiversität aus. Sie töten alle grünen Pflanzen ab, sodass Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge auf den Äckern keine Nahrung mehr finden. Von Insekten wiederum ernähren sich viele Vogelarten, Fledermäuse und kleine Säugetiere. Mittlerweile sind auch zahlreiche Ackerwildkräuter gefährdet, die mit Pestiziden wie Glyphosat beseitigt werden.

 

Zudem bleiben Pestizide nie vollständig dort, wo sie ausgebracht werden. Über die Luft verbreiten sie sich auch an Orte, die weit vom eigentlichen Einsatzort entfernt sind. Das konnte das Umweltinstitut in einer Messung belegen, die 2018 im Südtiroler Vinschgau – dem größten zusammenhängenden Apfelanbaugebiet Europas – durchgeführt wurde.

. Die eingesetzten Spritzmittel finden sich auch in Gewässern und im Boden wieder und belasten Obst und Gemüse. Dadurch gefährden sie die Umwelt und unsere Gesundheit.

 

Dabei zeigt der ökologische Landbau schon seit vielen Jahrzehnten, dass es auch ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Wirkstoffen geht. Mit dem Kauf von Produkten aus ökologischer Erzeugung könnt ihr diese umwelt- und gesundheitsfreundliche Form der Landwirtschaft unterstützen. Bio-Produkte erkennt ihr daran, dass sie mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet sind. Produkte, die zusätzlich noch ein Siegel der Bio-Verbände, wie z. B. Bioland, demeter oder Naturland tragen, wurden unter noch strengeren Standards erzeugt als Produkte, die nur mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet sind.

 

Sehr geehrte Frau Bundesagrarministerin Klöckner,

sehr geehrte Frau Bundesumweltministerin Schulze,

 

erst Anfang April wurde auf EU-Ebene beschlossen, den Einsatz von drei Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide im Freiland zu verbieten. Auch die Bundesregierung hat diesem Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt, da die Pestizide für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten besonders gefährlich sind.

 

Doch jetzt liegen in Deutschland mehrere Anträge auf die Zulassung von Pestizidmischungen vor, die die neuen Insektengift-Wirkstoffe Sulfoxaflor, Cyantraniliprol und Flupyradifuron enthalten. Diese weisen eine ähnlich verheerende Wirkung wie die gerade erst verbotenen Neonicotinoide auf.

Diese Pestizidmischungen auf den Markt zu bringen, wäre angesichts des dramatischen Insektensterbens verantwortungslos. Die Fehler, die mit der Zulassung der Neonicotinoide gemacht wurden, dürfen sich nicht wiederholen!

 

Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vereinbart, das Insektensterben umfassend zu bekämpfen. Daher bitte ich Sie als zuständige Ministerin:

 

- Genehmigen Sie keine Pestizidmischungen, die die Wirkstoffe Sulfoxaflor, Cyantraniliprol oder Flupyradifuron enthalten und ziehen Sie bereits erteilte Zulassungen zurück!

- Erteilen Sie keine neuen Notfallzulassungen für Pestizide, die die Wirkstoffe Sulfoxaflor, Cyantraniliprol oder Flupyradifuron enthalten und stoppen Sie bestehende!

- Stoppen Sie den Import und die Aussaat von Saatgut, das mit Sulfoxaflor, Cyantraniliprol oder Flupyradifuron gebeizt ist!

 

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Heinz Elflein

23.03.2019

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