Gambrinus und Goldener Bocksbeutel

Das isser halt

 

 

Christian Schmidt ist ein allgemein beliebter Politiker. Wie die vielen Ehrungen beweisen. Zitat aus seiner Internet-Seite: „ Als gebürtiger Obernzenner, der seit vielen Jahren in Fürth wohnt, kenne ich meinen Wahlkreis, der aus der Stadt Fürth, und den Landkreisen Fürth und Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim besteht, sehr genau.“

 

Klingt gut.

 

Auch in Nachbarkreisen ist der CSU-Abgeordnete beliebt, sogar in Underfranggn bei CSU-Wählern. Wo er wegen dem fehlenden Majoran in der Broatworscht eigentlich fehl am Platze ist, weil die katholisch sind. Was ihn allerdings nicht gehindert hat, mindestens zwei Mal dorthin zu fahren, um sich ehren zu lassen. Der Mann nimmt schon einiges Ungemach auf sich. Natürlich schätzt man ihn auch innerhalb der CSU, weil man ihn als evangelischen Middlfranggn für den Proporz braucht. Proporz ersetzt oft die Qualifikation, was allerdings nicht auf Christian Schmidt zutrifft. Hat ja sein Abi in Windsa gemacht. Es geht aber noch weiter. Sogar Angela Merkel hat ihn in ihr Kabinett berufen, um Lücken zu füllen und weil er die Richtlinien ihrer Politik stets weisungsgemäß umsetzt, sich dabei sogar aus sicherer Entfernung einer wütenden Politikerin der SPD stellt.

 

Das isser halt“ , der Christian Schmidt. Als Mittäter beim Possenspiel-Merkel-Schmidt - geht das Gerücht - darf er nun auf einen Posten als Aufsichtsrat bei der Bahn hoffen. Weil er Angela nicht verraten hat. Passt auch, weil die DB tonnenweise Glyphosat auf Schienen schüttet. Eigentlich wollte er ja wieder Staatssekretär werden. Warum es nicht dazu gekommen ist, weiß nur Angela, höchstens noch die Bild-Zeitung oder Parteifreunde.

 

Ich glaube, Herr Schmidt hat zuhause einen großen Schrank in seinem Trophäenzimmer.

 

Auszug aus Wikipedia:

 

Auszeichnungen

 

 

 

 

  • 2008: "Alfred-Dreyfus-Preis" für besondere Verdienste um das deutsch-jüdische Verhältnis in der Bundeswehr

  • 2012: „Honourable Accolade (of first degree) for National Defence“, Ungarn

  • 2016 Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich

 

Wikipedia hat das Bundesverdienstkreuz für Christian Schmidt allerdings unterschlagen. Er steht dort nicht. Aber Barbara Schöneberger und Beate Uhse habe ich gefunden.

Den bayerischen Verdienstorden haben inzwischen über 5.000 Personen verliehen bekommen, davon etwa 800 Frauen. Man muss nicht besonders integer sein. Steuerhinterzieher kriegen den Orden auch, wenn sie CSU wählen. Oder wenn man für Deutschland und den FCB Fußball gespielt hat, es kann auch gleichzeitig zutreffen. Allerdings ist die Zahl der lebenden Preisträger auf 2.000 begrenzt. Könnte aber sein, dass wegen Glyphosat-Konsums im Wein etwas Platz geschaffen wird.

 

Wikipedia hat auch Auszeichnungen nicht erwähnt, die ich für viel wichtiger halte. Den Gambrinus sowie den goldenen Bocksbeutel.

Für den Gambrinus musste er nach Würzburg, Unterfranken. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt erhielt die Ehrung von der Gemeinschaft Mainfranken-Bier „für Pflege und Erhalt von Brauchtum und die Regionalität rund um die mainfränkische Braukultur.“

 

https://www.tvmainfranken.de/mediathek/video/gambrinus-2017-fuer-landwirtschaftsminister-christian-schmidt/

 

Wie man die mainfränkische Braukultur pflegt und was er dafür im Einzelnen tun musste, würde mich schon interessieren. Würde es vielleicht gerne nachmachen, wenn es nicht gegen meine moralischen Bedenken verstößt oder ich dafür die „Christlichen“ wählen müsste. Was für mich genau so schlimm wäre.

 

 

Der Gemeinschaft Mainfranken Bier gehören derzeit sieben Brauereien in den Regionen Würzburg und Main-Rhön an.

 

  • Privatbrauerei Öchsner, Ochsenfurt

  • Wernecker Bierbrauerei, Werneck

  • Kauzen-Bräu, Ochsenfurt

  • Brauerei Friedrich Düll (Krautheimer), Volkach-Krautheim

  • Privatbrauerei Kesselring, Marktsteft

  • Brauerei Göller, Zeil

  • Rother Bräu, Hausen in der Rhön

Meine Frage an Herrn Pritzl, Chef der Kauzenbräu,warum er gerade dem „Glyphosat-Minister“ die Ehrung verleiht, hat dieser beantwortet:

 

Grundsätzlich verwenden die fränkischen Brauereien nachweislich nur reine natürliche und naturbelassene Rohstoffe. Der gesamte Prozess, von der Rohstoffgewinnung bis zur Auslieferung des Bieres unterliegt strengen Kontrollen. Außerdem sind unsere Biere, wie die beiliegende Bestätigung zeigt glyphosatfrei – wie alle fränkischen Brauer, soweit ich weiß“. Die Auswahl des Gambrinus-Preisträgers erfolgt durch die Mitgliedsbrauereien. Herr Minister Schmidt hat sich in einer Vielfältigkeit für die Regionalität eingesetzt, sein Standpunkt für Glyphosat wurde hierbei nicht bewertet.“

 

http://www.elfleins-frankenschau.de/bier-aus-franken/mainfranken-bier/

 

 

Danke Herr Pritzl, es stimmt. Und danke Herr Schmidt, dass Sie tapfer Warsteiner-Methoden in Franken verhindert haben.

 

CSU-Mann Joachim Herrmann und CSU-Frau Stamm haben den Fetisch vorher bekommen. Was ein Licht auf die persönlichen Wertigkeiten und den Proporz innerhalb der CSU wirft.

 

 

Das war 2017. Zwei Jahre später folgte der „Goldene Bocksbeutel“. Für Frau Stamm ebenfalls.

Verliehen auf der Vogelsburg bei Volkach.

 

BR24: „Stamm und Schmidt hätten sich politisch für den Frankenwein über Jahre hinweg engagiert und dadurch auch den Weintourismus gestärkt. Der silberne Bocksbeutel geht an den Ehrenpräsidenten des Fastnacht-Verbandes Bernhard Schlereth. „

 

Frankenwein aktuell: „Nach einer Andacht durch Domkapitular Monsigneure Dr. Stefan Rambacher in der Kirche Mariä Schutz begrüßte die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer die rund 60 Gäste: „Heute ehren wir Persönlichkeiten, die sich während ihres Wirkens immer im höchsten Maße für den Frankenwein und die fränkische Weinwirtschaft eingesetzt haben.“

 

 

https://www.tvmainfranken.de/mediathek/209778/

 

https://www.br.de/nachrichten/bayern/goldene-bocksbeutel-fuer-barbara-stamm-und-christian-schmidt,RYHjVp7

 

https://www.frankenwein-aktuell.de/goldene-und-silberner-bocksbeutel-fraenkischer-weinbauverband-verleiht-seine-hoe_Pressetexte_Detail_2429_kkdetail_view_blog.html?view_blog_p_offset=0&kkview_zusatz_p_offset=0&kkview_download_p_offset=0

 

Ich bedaure aufrichtig, die Bilder nicht hier herein setzen zu können. Habe keine Erlaubnis der Veröffentlicher und keine Lust, sie mir zu besorgen. Vor allem die Mainpost ist da sehr restriktiv. Klicken Sie halt, die Bilder sind wirklich putzig.

 

Dabei waren die fränkische Weinkönigin Carolin Meyer (Castell), Christel und Bernhard Schlereth (Veitshöchheim) , Volker Heißmann (Fürth) und Weinbaupräsident Artur Steinmann (Sommerhausen).

Damit die Veranstaltung nicht in den Geruch kommen sollte, sie sei reiner Fasching, trug Frau Stamm nicht das berühmte blaue Kleid. Volker Heißmann, diesmal nicht depperte Putzfrau, machte einen sehr guten, richtig männlichen Eindruck. Sein Putzfrau-Kollege aus Fürth war nicht dabei.

 

Jetzt wäre ja ausreichend Gelegenheit für Umweltschützer gewesen, den goldenen Bocksbeutel als Schlaginstrument zu nutzen. Was soll das mit den „Verdiensten“?. Ist es ein Verdienst, maßgebend beteiligt zu sein, wenn die Böden der Weinberge am Main biologisch zugrunde gehen? Wo sollen da in späteren Jahren, wenn sich an Herrn Schmidt nur noch seine Sekretärin erinnert, außer Unkraut noch Trauben wachsen?

 

Was wird mit den Bienen? Nur so als Hinweis: In Köln ist Glyphosat schon im Grundwasser. Vielleicht zu Lebzeiten von Christian Schmidt auch in Fürth? Macht nichts, Glyphosat wird ja immer vorschriftsmäßig angewendet. Und es ist gut, bei jedem Schluck zu wissen, dass man davon laut Monsanto, Bayer und hochrenommierten Wissenschaftlern nachweislich keinen Krebs bekommt. Das besondere Aroma kann ja auch den Wein verbessern.

 

 

Wenn es um Verdienste geht, hat sich diese Christian Schmidt zweifelsfrei für die Giftspritzer Monsanto und Bayer erworben.

 

Weil Glyphosat keinen Krebs verursacht, „wenn man es vorschriftsmäßig anwendet“. Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich, welcher Einfaltspinsel bringt denn so ein dämliches Argument. Wos for a Gschmarri. Warum? Weil das im mathematischen Umkehrschluss bedeuten kann, dass das Zeug gefährlich wird, wenn man es nicht vorschriftsmäßig anwendet. Kann ja nicht immer und überall ein Kontrolleur daneben stehen. So dient das Argument lediglich zur Volksverdummung. Damit haben CDU/CSU Erfahrung. Was sie nicht von anderen Parteien unterscheidet.

 

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-07/glyphosat-krebs-herbizid-landwirtschaft

 

Derzeit werden pro Jahr weltweit mehr als 700.000 Tonnen Glyphosat versprüht. In Deutschland bringen Landwirte rund 6.000 Tonnen aus, wobei 39 Prozent aller Ackerflächen behandelt werden. Auch im Hobbygarten und auf öffentlichen Wegen wird das Gift gespritzt, um sich das Hacken des Unkrauts zu ersparen. Neben den direkten toxischen Effekten gefährdet die Wirkung als Breitbandherbizid auch zahlreiche andere Organismen, denn durch die Vernichtung der Wildkrautflora gehen Nahrungsquellen und Lebensräume verloren.

 

https://www.weinhalle.de/lexikon/glyphosat.html

 

Die Hersteller glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel beteuern die rasche Abbaubarkeit des Wirkstoffs. Warum lässt sich der Wirkstoff Glyphosat trotzdem in zahlreichen Grundnahrungsmitteln nachweisen? Man hat Spuren davon in Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Kaffee, Tee, Wasser, Bier und Wein gefunden.

 

Fakt ist, daß intensiv mit Glyphosat behandelte Agrarflächen in ihrem Bodenleben gestört bzw. weitgehend zerstört sind. Langjähriger Glyphosateinsatz führt zu einer Verdichtung der Böden, die mit der Zeit akuten Nährstoffmangel auslöst. Die Verfügbarkeit von Mangan, Bor, Phosphor, Stickstoff und anderen lebensnotwendigen Spurenelementen ist für die Pflanzen nicht mehr gesichert. Diesen Nährstoffmangel gleichen Landwirt und Winzer von oben durch Düngemittel aus, synthetisch, versteht sich. Der daraufhin einsetzende Wachstumsschub der Rebe hat weitere Pestizid-Anwendungen zur Folge, weil sich die überversorgten Reben nicht mehr im Gleichgewicht befinden und deren Trauben z. B. zu schimmeln anfangen oder aufzuplatzen drohen. Zudem kommt es durch intensiven Glyphosateinsatz nachweislich zu einem Befall des Bodens mit gefährlichen Schadpilzen, den sogenannten Fusarien, die hochgiftige Mykotoxine freisetzen, die im Erntegut nachgewiesen werden können. Für Wein hat man diesbezüglich bereits Grenzwerte festgelegt. Ein Problem, das zunehmend akut wird und die Komplexität des Einsatzes von Glyphosat eindrucksvoll unter Beweis stellt. Doch (noch) will niemand davon wissen.

 

Insofern bin ich als Konsument des Frankenweins richtig stinkig auf die Millionarios der Giftspritzindustrie. Und die Politiker, die da mit im Spiel sind. Wer aber eine Liste der „sauberen“ Winzer sucht, wird hier etwas finden:

 

http://www.elfleins-frankenschau.de/frankenwein/glyphosat-freie-winzer/

 

Penible Nachforschungen meinerseits haben ergeben, des Gschmarri mit der vorschriftsmäßigen Anwendung haben Monsanto-Protagonisten verfasst, um amerikanische Richter zu verblöden. Was ihnen nicht gelungen ist. Auch wenn sie Wissenschaftler engagierten, die ihre Seele und ihren guten Ruf verkauft haben. Auch amerikanische Konsumenten verwundern mich nicht. Als ich mal in Florida war, hat mich jemand gefragt, ob Düsseldorf in der Nähe von Moskau liegt. Weil alles relativ ist, konnte ich das guten Gewissens bejahen. Würde öfter mit der Straßenbahn hinfahren.

 

Ich habe nun wochenlang gegrübelt, warum Herr Schmidt dieses Argument ebenfalls benutzt. (Eigentlich wollte ich hier schreiben: weisungsgemäß nachplappert). Jemand, der in Bad Windsheim, Middlfranggn, sein Abi bestanden hat, hat doch zweifelsfrei einen IQ, der solche intellektuellen Fehlleistungen ausschließt.

 

Ein Aufenthalt in Windsa, Mitte August 2019, hat mir die Erleuchtung gebracht. Und das kam so:

Wir wohnten in einem Ferienhaus, dessen Besitzer auch Landwirt ist. Dieser erzählte uns, die Felder würden von einem Satelliten überwacht, um zu prüfen, ob die Bauern die Vorgaben einhalten, die sie zum Empfang von Subventionen berechtigen.

Glauben Sie nicht, dass ich Sie auf den Arm nehme.

 

 

Da kam mir die Erkenntnis wie ein Blitz. Natürlich kann man vom Himmel aus beobachten, ob das Bäuerlein zuviel Gift in den Sprayer kippt. Bin sicher, genau das hat Minister Schmidt angeordnet. Und da fällt mir ein Stein vom Herzen, wollte wirklich nicht glauben, dass ein fränkischer Bundesminister so dämlich und verantwortungslos sein kann, wie ein amerikanischer Präsident. Gegen dieses Argument kommt auch die Vermutung nicht an, Angela Merkel habe es so gewollt.

 

Ansonsten macht Christian Schmidt das, was ein Abgeordneter so macht, wenn er seinen Wahlkreis betreut. Es ist ja durchaus angenehm, inmitten junger Frauen mit Krönchen zu stehen und in die Kamera zu lächeln. Da könnte man ihn richtig beneiden. Witzig ist, dass auf solchen Bildern Landrat Weiß meist in der Ecke stehen muss. Wer weiß, wie er sich rächt. Könnte ihm ja logistisch helfen, aber er hat bei mir wegen seines Stillschweigens und Duldens der Stinkaffäre in Windsa keine guten Karten.

 

 

Lieber Leser, jetzt habe ich Ihnen einen Haufen Sinniges und Unsinniges erzählt, wobei Sie selbst entscheiden dürfen, wie sich das verteilt. Sie werden auch verstehen, dass ich mich manchmal der Glosse bedient habe.

 

Herrn Christian Schmidt wünsche ich, dass er in seiner weiteren politischen Karriere keine Entscheidungen mehr treffen muss, bei denen ein braver Obernzenner seine politische Unschuld verliert.

Er muss seine Prioritäten kennen. Ob er lieber neben Aloysius auf der Wolke schwebt oder sich im Fegefeuer neben Frau Merkel und Frau Klöckner grillen lässt.

 

Heinz Elflein

Windsheimer

23.08.2019

 

 

 

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