Das Possenspiel von Angela Merkel und Christian Schmidt

 

Eigentlich wollte ich das Thema nicht wieder aufgreifen. Bis ich den Artikel in der FAZ vom 23.7. „Das Ende von Glyphosat rückt näher“ gelesen habe. Es hat mich zugegebenermaßen einigermaßen elektrisiert.

 

 

Bezogen auf das Verbot in Österreich: „In Berlin ist man weniger forsch...“ Ich würde es anders formulieren und schreiben: In Berlin verzögert man das Verbot mit allen Mitteln.“ Dabei schreckt man auch vor Volksverdummung nicht zurück. Das Paradebeispiel hierfür ist die Zustimmung zur weiteren Verwendung, die der seinerzeitige Landwirtschaftsminister Schmidt gegen den Widerstand des Koalitionspartners bei der EG abgegeben hat. FAZ: „Viele im Land bringt es noch heute in Rage“.

 

Das stimmt. Mich auch.

 

Wie dies geschah, kann man durchaus als abgekartetes Spiel zwischen Angela Merkel und Christian Schmidt bewerten. Sein Alleingang hatte Schmidt damals sogar einen öffentlichen Rüffel von Kanzlerin Angela Merkel eingebracht“.

 

 

Sommer 2017

 

https://www.freitag.de/autoren/timo-essner/schmidt-stimmt-fuer-glyphosat

 

Tatsächlich hat sich Merkel noch im Sommer in einer Rede vor dem Bauernverband für Glyphosat ausgesprochen, während sie nun öffentlich die empörte Mutti zum Besten gibt.“

 

https://www.sein.de/glyphosat-der-sumpf/

 

Angela Merkels Rede auf dem deutschen Bauerntag im Juni 2017 lässt den Schluss zu, dass Schmidts Entscheidung mit der Bundeskanzlerin und auch mit Horst Seehofer, CSU, abgestimmt war. Die Rede enthielt ein klares Bekenntnis zu Glyphosat: „Was wird mit Glyphosat? Da will ich Ihnen nur nochmals die Unionsposition nennen. Die Kommission hat ja jetzt eine Verlängerung vorgenommen. Ich weiß, dass diese Verlängerung nicht ewig ist. Wir werden uns dafür einsetzen, dass Sie diesen Stoff da, wo es notwendig ist, auch weiterhin anwenden können. Ich will das hier noch einmal ausdrücklich sagen.“

 

untauglicher Versuch, die Wogen zu glätten

indem man jemand bloß stellt

 

 

Frau Merkel argumentiert nicht ungeschickt. Wers glaubt, wird selig. Journalisten glauben und kommen deswegen in den Himmel. Ich glaube es nicht, werde aber deswegen, sofern Gott will, nicht in die Hölle kommen.

 

Der biedere Middlfrangge hinter Aisch und Zenn dürfte wohl kaum die Zivilcourage gehabt haben, den Koalitionspartner dermaßen zu verärgern. So nebenbei den Verbraucher hinters Licht zu führen, traue ich ihm eher zu. Daneben auch, sich noch mit der Tat zu brüsten.

 

So isser der Schmidt

„So isser, der Schmidt“ hat er nachher von sich gegeben. Mein Gott, was für ein starker Mann. Für höhere Weihen geeignet. "Dämlich" sagt Umweltministerin Barbara Hendricks. "So isser, der Schmidt", sagt Christian Schmidt. "So isser, der Schmidt", sage ich jetzt auch.

 

Dann sind wir uns ja alle einig.

 

Frau Hendricks sagt aber auch ganz deutlich, dass eine Weisung aus dem Kanzleramt gekommen sein muss.

 

So liegt also nahe, Frau Merkel und Herr Schmidt haben ein verlogenes Possenspiel zugunsten ihrer Klientel gespielt. Das würde ich ihnen eher zutrauen. Der CSU-Politiker Chistian Schmidt hätte sich dies meines Erachtens ohne Rückendeckung nicht getraut. Gegen die Gesundheitsinteressen der Verbraucher, die ja auch ihr Wahlvolk sind. Dem Glyphosatminister     ( Süddeutsche Zeitung) winkt angeblich ein Aufsichtsratsposten bei der Deutschen Bahn. Die Bahn verbraucht 75 Tonnen Glyhosat pro Jahr. So belohnt Frau Merkel ihre Treuen.

 

Die neue Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner – die sich schon vor ihrer Amtszeit für Glyphosat ausgesprochen hatte - hat nun den Rücken frei, die Interessen des Bauernverbandes in ihre Regierungspolitik einzubringen. Das tut sie kräftig, indem sie mitteilt, ein Verbot käme nicht vor 2022 in Frage, wenn die EU neu entscheidet.

 

Die SPD hat sich dies alles mehr oder weniger gefallen lassen. Die neue Umweltministerin Svenja Schulze hat meines Erachtens nicht das politische Format ihrer Vorgängerin Barbara Hendricks. Insgesamt hat die SPD zu wenig Nachdruck gemacht. War ja auch sehr mit sich selbst beschäftigt.

 

Was Angela Merkel anbetrifft, denke ich, ihre Regierungszeit war nicht hilfreich für das deutsche Volk. Das Volk hat nur nicht bemerkt, dass ihre Handlungen vor allem auf den eigenen Machterhalt ausgerichtet waren.

 

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/glyphosat-streit-die-wahrheit-wird-degradiert-15319797.html

 

Die Zukunft der Landwirtschaft und damit unserer Ernährung, Gesundheit und der ökologischen Integrität der Welt spielt im Kalkül der politischen Akteure auch diesmal wieder nur insofern eine Rolle, als sie vor allem anderen der Absicherung der eigenen Macht und Überzeugungen zu dienen hat.

 

Wie ich sehe, teilt auch mindestens ein FAZ-Redakteur meine Meinung.

Irgendwie stimmen mich die politischen Umfragewerte etwas optimistisch. Aber nur etwas. Frau Merkel empfehle ich, bei ihren Possenspielen nicht zu dick aufzutragen.

 

Heinz Elflein

27.07.2019

                                

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