Ehe und Gollach

Märchenhaftes Middlfranggn

am Steigerwald und Ehegrund

 

Ich muss das relativieren. Es geht nicht um richtige Märchen. Obwohl dies Gästen, die aus aller Welt nach Rothenburg ob der Tauber kommen, so vorkommen mag.

Ich möchte jedoch hier nicht über Rothenburg schreiben, das haben andere zur Genüge getan. Möchte das Augenmerk auf ein Tal lenken, das niemand außer den Bewohnern kennt, weil man dort normalerweise nicht hindurch kommt. Ich meine Ehegrund und Gollachgrund.

 

 

 

Es ist manchmal lediglich persönliches Empfinden, wenn wir - soeben noch hektisch auf der Autobahn - in eine Landschaft eintauchen, die uns glauben machen könnte, wir hätten eine Zeitreise in ein vergangenes Jahrhundert begonnen. Wenn wir nicht so fürchterlich realistisch wären. So krass wirken die Unterschiede und so stark die Eindrücke, die von der bäuerlichen Umgebung im Ehegrund auf uns übergehen. Ohne jede Spur von Sentimentalität, auch wenn das jetzt so klingen mag.

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Dies normalisiert sich, wenn uns im Tal zwischen den weitab gelegenen großen Verkehrsströmen wider Erwarten ein Auto begegnet. Wo wir höchstens einen Bulldog oder Heuwagen erwartet hätten. Die hier wohnende Bevölkerung würde uns sicher mit großen Augen ansehen und den Zeigefinger zur Stirn führen, wenn wir ihnen mitteilen würden, was wir gerade für Eindrücke haben.

 

Dann gibt es aber auch wieder Ereignisse, die mich im neuen Jahrtausend schon etwas ins Staunen bringen. Weil ich nicht damit gerechnet habe, etwas vorzufinden, was sich bisher vor mir versteckt hatte. Und weil in Märchen immer Burgen und Schlösser vorkommen, ergibt diese Überschrift doch einen gewissen Sinn.

 

Markt Nordheim, na klar. Komme ich ja immer durch, wenn ich die normale Route zur Autobahn meide und lieber über das Land, hinauf in den Steigerwald und herunter in die Mainebene Richtung Würzburg fahre. Nettes Dorf.

 

Wie ich plötzlich auf Bernd Meyer vom Schwarzen Adler in Ulsenheim gekommen bin, weiß ich garnicht mehr so genau, weil ich überall im Internet herumsurfe und auch gerne die Sendungen von BR3 im TV anschaue, wenn es um Landgasthäuser geht. Schauen Sie hier:

 

Schwarzer-Adler-Ulsenheim

 

 

 

 

Auf der etwas biederen Homepage von Markt Nordheim gibt es eine Rubrik „Gastronomie“. Die sollte man wirklich anklicken. Da findet man zum Beispiel das Wirtshaus am Markt, Hausnummer 11. Und natürlich den Schwarzen Adler in Ulsenheim 97. Weiter unten die Seite vom Wildberghof – und da hat es mir beinahe die Sprache verschlagen, als ich sie anklickte. Ich zitiere:

 

Auf einem ruhigen Hügel im fränkischen Steigerwald gelegen, heißt Sie Schloss Wildberghof willkommen. Manchmal verträumt, manchmal märchenhaft und manchmal romantisch - immer aber herzlich fränkisch!

 

Schauen Sie sich die Appartements und Ferienwohnungen auf dem Schloss an, ist das nicht fast märchenhaft? Übertreibe ich, wenn ich vom „Märchen aus Middlfrangnn“ schreibe? Im April 2016 hat uns Frau Endreß das Schloss, die Appartements und Holzhäuschen gezeigt. Wir waren sehr angetan. Wirklich sehr romatisch und hervorragend eingerichtet.

 

Meinen Freund Wolfgang aus Hilden wird übrigens interessieren, dass das Anwesen noch 1303 den Grafen von Henneberg gehört hat. Denen er ja irgendwie seine Existenz verdankt. Weil die Grafen von Henneberg es seinerzeit mit der ehelichen Treue nicht so genau genommen haben. Sie haben sich ein Erstbespringungsrecht für die Jungfern in ihrer gräflichen Gewalt herausgenommen. Wolfgang wird mir die Indiskretion hoffentlich nicht übel nehmen.

 

1984 haben die heutigen Besitzer, Familie Christian Endreß, das Anwesen erworben und ausgebaut. Der Bürgermeister von Markt Nordheim heißt übrigens Harald Endreß.

 

 

Ortsmitte Markt Nordheim

 

Ich muss zu meiner Schande gestehen, Ulsenheim vorher noch nie betreten zu haben. Wegen der Nähe zu Uffni. Ulsni oder Ulsna, wie soll ich es aussprechen? Des waß i etzert net sou genau. Von Uffenheim kommend sollte man nicht nach Ulsenheim fahren, wenn man nicht unbedingt muss. Es ist landschaftlich einödlich. Nur riesige Äcker. Besser von der anderen, lieblichen Seite, dem Ehegrund. Uffni selber hat auch überhaupt keinen Reiz. Doch wo der Gollachgau östlich von Ulsni in den Ehegrund übergeht, wird es langsam reizvoll.

 

Frau Nicole Endreß hat es mir auf hartnäckige Nachfrage nun mitgeteilt, Ulsenheim ist Ulsni in Ulsni. Zum Nachbardorf - Wüstphül - hin kommt die Sprachgrenze. Dort ist Ulsni Ulsna. Jetzt glaube ich es, weil es mir Verena Betz aus Markt Bibart auch schon gesagt hat.  

 

Damit ist es aber noch nicht genug. Wo Schlösser sind, muss es im Märchen auch Burgen geben. Zunächst aber das nächste Schloss, Ruinen nicht mitgezählt. Es steht direkt in Markt Nordheim. Das Schloss Seehaus. Urkundlich erwähnt 1366. Zunächst wurde es im Bauernkrieg und im 30jährigen Krieg von Schweden zerstört. Die Nachfahren gehören im 21. Jahrhundert zu den eifrigsten Touristen. Sie gehen überall hin, wo ihre Vorfahren Häuser geschleift und die weibliche Bevölkerung kontaminiert haben.

 

 

 

Zitat (Quelle verloren): "Der jetzige bauliche Zustand ist aus dem Jahre 1780. Der See, der das Schloß umgeben hat, wurde 1745 zum Acker gemacht. Schloß Seehaus existiert heute noch und befindet sich in Privatbesitz. Einige Teile des Schloßes wurden renoviert.“

Dass es im Ehegrund neuerdings (2015) den Bratwurstkönig gibt, steht woanders auf dieser Seite. Aber im Ort seines Wirkens gibt es - fast natürlich - auch ein Schloss. Das Schloss Sugenheim, aufgeteilt in „altes Schloss“ und „neues Schloss“. Im alten Teil ist ein Spielzeugmuseum. Gelegentlich finden dort Weinproben statt.

Das neue Schloss wird zur Zeit immobilienmäßig beworben. Als ich 2016, beim nächsten großen Einkauf, reichlich provokant in der Metzgerei die Frage gestellt habe, ob der Ortsname von "Suggerla" (Ferkel) herkäme, hat man mir ernsthaft, aber sehr freundlich mitgeteilt, das sei nicht so.

 

Sind das nicht genug Märchen, liebe Leser? Noch nicht mal erfunden. Alles entspricht der Wahrheit.

 

Da brauche ich doch meine persönlichen Bemerkungen zum Ehegrund, wo sich das alles abspielt, nicht zurückhalten.

 

Ehequelle


Die Ehe ist ein Nebenfluss der Aisch. Die Ehe bildet sich aus zwei Quellbächen - der Großen und der Kleinen Ehe. Zwischen Herbolzheim und Krautostheim entspringt die Große Ehe.
Die Kleine Ehe entspringt westlich von Krassolzheim. Zwischen Krassolzheim und Ingolstadt wurde ein großer Teil der Ehe (im oberen Verlauf Biegenbach) renaturiert und schlängelt sich wie ursprünglich durch das Tal. (Aus dem Artikel „Bocksbeuteltour“ im Internet).

 

Ehequelle und Ehegrund. Große Ehe und kleine Ehe. Mein Gott. Das bringt mich zwangsläufig zum Kalauern. Denke, es wird genug Leute in dem schönen Tal geben, die Grund für ihre Ehe gefunden haben. Oder das Gegenteil. Der Bach selber ist total schmal. Ein gesunder Mann ohne Prostata-Probleme kann seinen Strahl über den Bach von einem zum anderer Ufer richten.

 

Eigentlich hätte ich große Lust, unterhalb des Waldes – dem Steigerwald – entlang der Weinberge zu wandern. Ankommen oberhalb von Krassolzheim, am Haus des schon länger verstorbenen Schauspielers Günter Strack (Serie „der König“ - das nächste Märchen). Und dort grillen und eine Flasche Silvaner trinken. Oder eine Domina. Oder auch beide.

 

Nehmen Sie das bitte nicht so ernst. Es ist halt ein Märchen aus Middlfrangnn.

 

Heinz Elflein, 31.12.2015

 

Haus von Günter Strack
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