Im Kurpark stinkt es

 Umwelt in Bad Windsheim

 

Liebe Leser,

 

als ich 2016 wieder einmal in meiner Heimatstadt war, fiel mir ein unangenehmer Geruch auf. Dies hatte zur Folge, dass ich für diese Homepage die Artikel In-Windsa-stinkts, "Luftreinhaltungsbericht" und „Innenministerium Bayern“ erstellt habe, dem dann nach einiger Zeit „Lösung des Umweltproblems“ folgte. Weil ich mehrere Male darauf angesprochen wurde, habe ich mich nun entschlossen, die Beiträge zu komprimieren.

Sofern ich einen Sachverhalt unrichtig dargestellt habe, bitte ich, mir das mitzuteilen. Fehler werden sofort korrigiert.

 

 

In Windsa stinkts

 

Wer in Bad Windsheim durch den Kurpark flaniert oder in einem Hotel im Kurpark übernachtet, Patient im Krankenhaus oder Kurgast in der Kiliani-Klinik ist, wundert sich an manchen Tagen, wie fürchterlich es stinkt. So, als würden Autoreifen verbrannt. Das zieht sich über Tage hin und hört dann wieder auf.

 

Luftverpester ist die in unmittelbarer Nähe ansässige Eisengießerei Heunisch.

 

Der Besitzer eines Hotels im Kurpark zuckt resignierend mit den Schultern. Ein Bewohner der Westsiedlung sagt mir, je nachdem, wie der Wind steht, riecht er es auch. Es wäre ein Planungsfehler der Stadt, denn die Eisengießerei sei vor der Erhebung der Stadt zum „Bad“ da gewesen.

 

Als ob das Kurgebiet mit seinen Quellen umziehen könne, denke ich mir dabei. Der Kurpark ist nämlich auch nicht erst von gestern.

 

In Windsa stinkts (alt).pdf
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Emails zum Thema.pdf
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Als ich 2016 - wie schon erwähnt -in einem Hotel im Kurpark Quartier machte, fiel mir der unangenehme Geruch auf, der sich bis in die frühen Morgenstunden hinzog. Ganz schön unverschämt, dachte ich, da verbrennt jemand in der Nähe des Kurgebiets alte Reifen und es scheint niemand zu kümmern. Warum schreitet niemand ein, es sind schließlich hunderte Kurgäste in den Hotels, Kranke in der Klinik, Rekonvaleszenten in der Kilianiklinik und noch in etlichen gesundheitsbezogenen Einrichtungen mehr. Ich selbst wollte auch nicht unbedingt Lunge und Magen beleidigen.

 

Der Herr Landrat

 

 

Als mich der Hotelbesitzer aufklärte, habe ich ihn zunächst ungläubig angeblickt. Das dürfte wohl nicht mit rechten Dingen zugehen, da muss die Eisengießerei wohl Auflagen verletzt haben. Warum dulden dies die Behörden ?

 

Man muss sie fragen, warum. Meine Wahl fällt auf den Landrat Helmut Weiss. Ich teile ihm mit Schreiben vom 27.06.2016 mit, Strafanzeige wegen Umweltverschmutzung von meinem Wohnort aus gestellt zu haben. Dort rechnet man erfahrungsgemäß mit einer Einstellung des Verfahrens    (was auch so gekommen ist).

 

Text:

 

"Dies hat mich allerdings bewegt, in meine an sich vorwiegend kulinarisch ausgerichteten Internet-Seite einen Beitrag zu stellen. Die bisherigen Reaktionen sind eindeutig. Ich habe nun überlegt, welch kompetente Persönlichkeit im Landkreis kann mir die Fragen, die sich daraus ergeben, beantworten. Ich hoffe, Sie sehen es mir nach, wenn ich dabei auf Sie gekommen bin.“

 

Der Landrat hat mir umgehend geantwortet und mitgeteilt, dass er zur Zeit in Urlaub sei. Dann habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich unterstelle, dass sein Urlaub nun beendet ist. Kann auch nachvollziehen, warum er sich nicht weiter äußert. Ich sehe es ihm nach. Was soll man auch sagen, wenn Sach- und Regelungskompetenz fehlen (provokativ: welcher Politiker hat schon Fachkenntnisse). Die Nummer ist für ihn zu groß. Ich möchte mich jedoch ausdrücklich bei den Mitarbeitern des Landratsamtes in Neustadt bedanken, die sehr kooperativ waren und die Sprachlosigkeit ihres Behördenchefs ausgeglichen haben.

 

Bürgermeister und Stadträte

 

 

Von dem Herrn Bürgermeister der ehemaligen freien Reichsstadt erzählen Insider, dass er regelrecht ausflippt, wenn das Thema auf den Tisch kommt. Auch er ist überfordert, eine Lösung herbeizuführen. Sofern eine solche angedacht wäre, bräuchte man Unterstützung von höchster bayerischer Regierungsseite. Weil die von der CSU kommen müsste, ist damit aber überhaupt nicht zu rechnen. Denn die CSU hat mit Christian Gerhäuser nicht nur einen Geschäftsführer bei Heunisch, sondern auch die Brüder Georg und Johannes im Stadtrat. Die zusammen eine Phalanx gegen eine Änderung für den Umgang mit Heunisch bilden könnten. Da liegt es nahe, dass sich Politik mit persönlichem Gewinnstreben vermischt. Es wäre politischer Selbstmord für CSU-Provinz-Politiker, wenn sie das Thema „In Windsa stinkts“ angehen würden. Im Übrigen halte ich es für einen geschickten Schachzug der Besitzerfamilie Heunisch, einheimische Politiker finanziell und meinungsmachend einzubeziehen.

 

Man sollte öfter mit Einheimischen sprechen. Als wir im August 2019 wieder da waren, hatte ich die Gelegenheit. Der Familie Gerhäuser aus Bad Windsheim – mit zwei Personen im Stadtrat - gehört nun 60% der Firma. Sie sind somit Mehrheitseigner. Was sich daraus ableiten lässt, brauche ich niemand zu erzählen. Und ich frage mich öfter, wie ich mich persönlich verhalten würde, sollte ich noch im Ort leben.

 

Die Galerie der stadttragenden Stadträte beschäftigt sich mit für sie wichtigeren Problemen. Zum Beispiel, ob ein Bauunternehmer mit Stadtrat-Beziehung Vorteile durch den Bau einer Turnhalle hat.

 

Heunisch

 

Heunisch hat die Gießerei Hofmann 1984 übernommen, von derem Fabrikgelände nun der Duft, den man angeblich nicht messen kann, in das Kurgebiet und die Stadt hinüber weht. Die Firma hat Standorte in Bad Windsheim (Zentrale), Steinach in Thüringen, sowie Brünn und Asch in der Tschechischen Republik. Man könnte vermuten, die Zentrale sei wegen der fließenden Subventionen nach Deutschland verlegt worden. Subventionen für Heunisch sind im Übrigen das Thema, das den einzigen Grünen in Bad Windsheim aufregt.

 

Standpunkte

 

Die einheimische Bevölkerung begehrt nicht auf. Die Nasen werden sich wohl evolutionär angepasst haben. Die Aischgründler stört eher der Krach, den amerikanische Hubschrauber aus dem Nachbarort Illesheim machen. Es gibt keinen Politrebellen in Bad Windsheim, der es sich antun würde, gegebenfalls persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Das dürfte auch der Grund sein, weswegen der CSU-Klüngel so weiter machen kann.

 

Die SPD gibt von sich, „sie bleibe am Ball“. Ist aber schon einige Jahre her. Ich hoffe, dass sich die Sozis nicht den Knöchel brechen, wenn sie das Bein bewegen, um den nächsten Schritt zu tun. Aus dem Ball dürfte inzwischen auch die Luft entwichen sein.

 

Städtische Funktionsträger wiegeln ab, wenn sie auf das Thema angesprochen werden. Heunisch täte ja mehr für den Umweltschutz, als vorgeschrieben sei. Der seit kurzer Zeit im Amt befindliche Kurdirektor hat sich ebenso geäußert, als er kürzlich mit mir wegen eines anderen Themas telefoniert hat. Dass die im Kurgebiet arbeitenden Ärzte, Pfleger usw., nicht aufbegehren, ist der nächste Punkt, bei dem ich Schwierigkeiten habe, ihn nachzuvollziehen.

 

Leute, die in Bad Windsheim übernachten, haben also keine Lobby. Wenn das Thema nicht hochgespielt wird, wird die CSU keinen Anlass sehen, das Problem zu lösen.

 

 

Kontakt mit dem Landratsamt

 

Man hört, ein Messgerät sei absichtlich so weit nördlich vom Kurpark angebracht worden, dass die Messergebnisse unter einem zulässigen Messwert liegen. Denn dass Grenzwerte eingehalten werden, kann nicht sein. Es müsste dann was mit den gesetzlichen Grenzwerten nicht stimmen. Denke ich. Also frage ich beim Landratsamt in Neustadt/Aisch nach, was es damit auf sich hat.

 

Die Gießerei sei eine „immissionsrechtlich genehmigte Anlage“, bekomme ich zur Antwort. Sie würde vom Landratsamt jährlich überwacht, die Überwachungsberichte könnten auf der Homepage des Landratsamtes eingesehen werden. Die zulässigen Werte nach der Geruchs-Immissionsrichtlinie würden nicht überschritten.

 

Wo ist denn nun gemessen worden? Weil mir das keine Ruhe gelassen hat, habe ich noch einmal nachgefragt. Die Antwort:

 

Emissionsmessungen finden wiederkehrend an insgesamt 17 Emissionsquellen statt. Die Messöffnungen befinden sich auf dem Betriebsgelände in den Abluftleitungen auf der Reinseite (nach den Abgasreinigungseinrichtungen) und entsprechen den Anforderungen der DIN EN 15259. Gemessen werden dabei je nach Emissionsquelle Parameter wie Gesamtstaub, Staubinhaltsstoffe, Amine, Formaldehyd, Dioxine und Furane, etc. Die Messungen werden von einer nach § 29b BImSchG bekannt gegebenen Messstelle durchgeführt.

 

Das hat mir nicht gereicht. Ich wollte wissen, ob sich darüber hinaus Messpunkte auf dem Gebiet der Stadt Bad Windsheim und Umgebung befinden und habe deswegen am 15.03.2018 mit der zuständigen Abteilungsleiterin telefoniert. Nach Auskunft der sehr freundlichen und kooperativen Dame gibt es diese nicht. Wenn ich sie richtig verstanden habe. Das Gerücht von dem hinter dem Kurpark angebrachten Messpunkt, der dort weit außerhalb angebracht sei, um positive Ergebnisse zu messen, hat sie zurückgewiesen. Ich weiß aber nun, weswegen dieses Gerücht entstanden sein könnte und komme gleich darauf zurück. Frau Abteilungsleiter hat auch betont, die Firma Heunisch verhalte sich positiv und tue alles, um die Emissionen zu minimieren. Was natürlich nach dem heutigen Stand der Technik nicht dazu führt, dass es nicht mehr stinkt.

 

 

Landratrsamt.pdf
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Bericht es Landesamtes für Umwelt

 

Abschließend hat sie mir noch die Zusendung des Berichtes des Bayerischen Landesamtes für Umwelt „Luftgüte in Bad Windsheim“ zugesagt. Dieser war ein paar Minuten später in meinem elektronischen Briefkasten. Vielen Dank, Frau K.

 

Der Bericht trägt die Überschrift „Luftgüte in Bad Windsheim (17. Februar 2012 bis 26. September 2012)“. Dr. Marcel Huber, Staatssekretär und Melanie Huml, Staatssekretärin. Letzter Satz im Vorwort: „Der vorliegende Messbericht bestätigt die gute Luftqualität in Bad Windsheim.“

 

Aha.

 

Claus Kumutat, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, schreibt:

 

„Negativschlagzeilen um die wenigen Stellen mit einer hohen Luftbelastung lassen leicht übersehen, dass gerade in Bayern an vielen Orten eine sehr gute Luftqualität herrscht.

 

Diese gute Luft verdient jedoch durchaus eine bewusste öffentliche Wahrnehmung.

 

Das halte ich für reinen Hohn.

 

Das Bayerische Landesamt für Umwelt wurde daher mit der Errichtung eines Luftmessnetzes für Kurorte und andere touristisch wichtige Orte beauftragt. Mit fünf mobilen Messcontainern werden die Luftschadstoffe Ozon, Stickstoffdioxid und Feinstaub jeweils über einen festgelegten Zeitraum an repräsentativen Messorten gemessen. Liebe Leserin, lieber Leser, der vorliegende Bericht soll Sie über die Messungen in Bad Windsheim informieren. Neben den Wirkungen der Luftschadstoffe auf den menschlichen Organismus erläutert er auch die zum Einsatz kommende Messtechnik.

 

Insbesondere aber freut es mich, dass die im Bericht veröffentlichten Messwerte dem Kurort Bad Windsheim eine gute Luftqualität bestätigen.

 

Ich würde dem Herrn gerne eine Übernachtung im Kurpark spendieren.

 

Die Messungen wurden im Kurpark von Bad Windsheim durchgeführt. Die Lage der Luftgütemessstation kann als repräsentativ für das Erholungsgebiet angesehen werden, so dass die Messwerte der Station auch auf die Umgebung des Heilbads Bad Windsheim übertragen werden können“.

 

 

Behördlicher Luftreinhaltungsbericht
LfU_Windsheim-2012.pdf
PDF-Dokument [2.3 MB]

 

 

Damit erklärt sich zunächst, wie die Meinung unter Windsheimern entstanden sein könnte, der Messpunkt sei absichtlich im nördlichsten Teil des Kurparks aufgestellt worden, um möglichst gute Ergebnisse zu erzielen.

 

Warum hat aber das Landesamt für Umwelt nicht gemessen, dass es stinkt. Also schreibe ich am 16.03.2018 an das Referat 24: Als ich 2016 in einem Hotel im Kurpark von Bad Windsheim übernachtete, fiel mir ein penetranter und ekelerregender Gestank auf, der mich an das Verbrennen von Reifen erinnerte. Wie kommt es, dass der Messbericht und die persönlichen Empfindungen der Bürger so weit differieren können, dass Herr Staatsminister Dr. Huber von guter Luftqualität“ schreibt, während der Bürger „in Windsa stinkts“, sagt.

 

Das bayerische Landesamt für Umwelt hat geantwortet. Es gibt keinen Widerspruch zu der Aussage, die Luft in Bad Windsheim sei gut und der Tatsache, dass es ständig stinkt. Weil das was stinkt, nicht gemessen wird oder nicht messbar ist. Da fehlt mir aber der Glaube und es klingt auch paradox. Offenbar sind aber die Stoffe, die wir nicht riechen, gefährlicher als die, die unsere Nasen beleidigen. 

 

Dem steht der Schlusssatz des Schreibens vom Landratsamt gegenüber: „Nach dem uns für die Firma Heunisch vorliegenden Geruchsgutachten werden die diesbezüglich nach der Geruchsimmisonsrichtlinie (GiRL) zulässigen Immissionswerte ebenfalls nicht überschritten“.

 

Was ist nun richtig? Kann man Gestank von Abgasen wirklich nicht messen? Wollen die Beamten des Landesamtes mich auf den Arm nehmen oder sind sie ganz einfach falsch informiert ?

 

Wie mir das bayerische Innenministerium mitteilt, gibt es z.B. im Bundesland Nordrhein-Westfalen eine Geruchs-Immissionsrichtlinie. Was wird bitteschön da gemessen? Ein Doktor der Chemie, beschäftigt bei Bayer, sagt mir, Geruch sei wohl messbar, er würde mir nach seinem Urlaub Konkretes mitteilen.

 

Weiter: Ob eine Industrieansiedlung mit dem Kurortcharakter einer Kommune in Einklang gebracht werden kann, wird im Anerkennungsverfahren für Kurorte überprüft. Die Kriterien hierfür sind komplex und werden vom Deutschen Heilbäderverband e.V. festgelegt.

 

 

An den Heilbäderverband in Berlin zu schreiben, ist überflüssig. Der Bayerische Heilbäderverband e.V. ist nicht Mitglied im Deutschen Heilbäderverband e.V. In Bayern ist das Bayerische Staatsministerium des Inneren zuständig. Damit wird mir nun Einiges klar. Man kann sich was zusammenreimen. Aber ich will nicht voreilig sein und werde erst mal nachhaken.

 

Was das Innenministerium sagt

 

Mein Schreiben an das bayerische Innenministerium vom 09.06.2018:

 

...leider ist es so, dass sich der offizielle behördliche Luftreinhaltungsbericht für Bad Windsheim mit seinem hervorragenden Ergebnis in den Nasen der Bewohner und Besucher nicht wiederfindet. Im Gegenteil, es stinkt regelmäßig nach Eisengießerei.“

 

Das Ministerium hat meine Anfrage am 17. August beantwortet. Die Argumentation finde ich wirklich witzig. Wenn ich es richtig interpretiere, darf es direkt neben dem Kurgebiet stinken auf Teifi kumm raus. Heunisch gehört ja nicht mehr zum Kurgebiet. Ich denke nun, dann möge die CSU und Heunisch bitteschön bewirken, dass sich der Gestank auf das Gewerbegebiet beschränkt und nicht darüber hinaus in den Kurpark, nach Külsheim und in die Stadt hinüber geht.

 

Ob diese flapsig klingende, behördliche Auffassung einer richterlichen Überprüfung standhalten würde, sei dahingestellt.

 

Antwort vom Innenminister.pdf
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Meine Meinung

 

Ich habe nun nach meinen Recherchen zur Kenntnis genommen, dass die bayerischen Behörden keine Beanstandungen für den Betrieb von Heunisch haben. Damit entfällt für mich die Motivation für weitere Nachforschungen. Wenn ich auch nicht nachvollziehen kann, warum es in Bayern keine gesetzlichen Grundlagen für ein Verbot von Geruchsemissionen- und Immisionen gibt, so wie in NRW. In Bayern mutet man Kurgästen eben zu, das auszuhalten. Ein Hotelier in Oberbayern sagt mir dazu, man könne das in Bayern nicht machen, sonst müsste man jeden Misthaufen verbieten.

 

Gibt es eine Lösung?

Einer muss weg

 

Wie könnte man das Problem lösen? Es ist nicht einfach, aber machbar und es kostet eine Menge guten Willen und viel Geld. Deswegen wird die Lösung so nicht kommen. Darüber reden darf man aber wohl.
 

Eisengießerei direkt neben einem Kurviertel geht nicht. Darüber braucht man nicht diskutieren. Weil die Stinkerei aus der Eisengießerei nicht zu unterdrücken ist, auch nicht mit modernster Technologie. Insofern sind die Windsheimer in keiner beneidenswerten Lage. Schon garnicht die Politiker, die eigentlich Lösungen bringen müssten. Dazu sind sie aber, gleich welcher Coleur, nicht in der Lage. Deswegen ist es auch müßig, mit dem Finger auf die Partei zu zeigen, die Franken und Bayern regiert.

 

Schauen wir also über den normalen Politikerhorizont hinaus (was nicht besonders schwer fällt) und suchen nach einer Lösung. Die ist eigentlich auch sonnenklar. Weil man die Quellen nicht verschieben kann, muss der Umweltbelaster weichen. Nicht erst übermorgen, sondern besser in naher Zukunft. Weg vom Kurgebiet und weg aus dem Aischgrund. Sinnvollerweise in ein Gewerbegebiet, wo seine Emissionen unbedenklicher sind. Wenn man fair bleiben will, können aber auch die Eigentümer der Eisengießerei nicht alleine auf dem Schaden sitzen bleiben, der ihnen durch eine Verlegung oder Schließung entsteht. Das muss gemeinsam geschultert werden. Das heißt, die Politik muss Gelder locker machen und es werden Millionenbeträge sein.

 

Auf Dauer könnte der Kurgast weg bleiben, weil er eine Nase mit eigenen Grenzwerten hat. Obwohl der Anstieg der Gästezahlen momentan eine andere Sprache spricht, hinter der man sich bis zur nächsten Wahlperiode verstecken kann.

 

Nun höre ich schon die Stimmen. „Wegfall von Gewerbesteuern und Arbeitsplätzen“. Es stimmt. Aber man muss genauer hinsehen. Die Stadt kann nicht gleichzeitig ein aufstrebendes Kurbad sein – und da ist noch viel Platz nach oben – und gleichzeitig hohe Gewerbesteuern von Heunisch scheffeln. Im Übrigen ist die Gießerei steuerbegünstigt, was die Grünen mehr aufregt, als der Gestank. Und Arbeitsplätze können genauso transferiert werden wie Maschinen und Öfen. Dass es garnicht so viel Einheimische in Arbeitsverhältnissen sind, wie man glauben mag, spielt dabei keine Rolle.  Außerdem gibt es umweltfreundliche Gewerbe, die durchaus den Platz einnehmen könnten.

 

Es gibt sicher noch andere Lösungen, die weniger kostenintensiv wären, als eine Verlagerung. Aber ich bin kein Politiker in Mittelfranken, sondern nur jemand, der sich Gedanken macht. Als dieser erlaube ich mir hiermit, diese weiter zu geben.

 

Freiwillig werden Politiker diesen Denkanstoß nicht übernehmen, darüber bin ich mir im Klaren. Es muss ein gewisser Druck ausgeübt werden. Wo der herkommen sollte, ist Zukunftsmusik. Insofern befürchte ich, dass sich weiter wenig tut. Es sei denn, die Machtverhältnisse ändern sich und es würde an der Subventionsschraube gedreht.

 

Heinz Elflein

13.07.2019

 

 

 

 

Nachtrag vom 23.07.2019

 

Inzwischen mehren sich Berichte in den sozialen Medien. Ein Gast aus München schreibt, er würde nie mehr nach BW kommen.

Ich selbst bin angeschrieben worden, der BR wurde auch schon kontaktiert.Bei mir schlägt der Unmut langsam in Verachtung um. Über die Leute, die Verantwortung tragen, aber das Problem ignorieren.  Wer tief im Internet gräbt, findet Beiträge, die aussagen, dass es bereits 2008 Beschwerden gab. Zum Beispiel aus dem unmittelbar neben der Gießerei liegenden Dorf Külsheim, wo man wegen des Gestanks mit erheblichen Einbußen beim Hausverkauf rechnen muss. Wo aberwitzige Begründungen für den Geruch vorgeschoben wurden.

 

Das animiert natürlich zu Bemerkungen, die ich aus Gründen der Netiquette besser lasse.

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