Nemberch und die glanna Nembercherli

Kleine Nürnberger

 

 

 

 

Warum Nürnberg (eigentlich Nemberch) nicht Middlfranggns Hauptstadt ist. Eine Rechtfertigung von Bürgermeister Maly. Fand es nett, dass er meine provokative Frage beantwortet hat.

Die Hauptüberschrift „Kleine Nürnberger“ habe ich ausgesprochen ungern geschrieben. Hochdeutsch musste aber sein, wenn die Spionagesoftware aus USA und China erkennen soll, worum es sich überhaupt handelt. Obwohl sie keine Chance haben, zu verstehen, worum es überhaupt geht.

 

In den letzten 10 Jahren habe ich Nürnberg – von nun an Nemberch – gemieden, bin höchstens außenrum auf den Weg woandershin vorbeigekommen. Auch einmal kurz rein und wieder raus gefahren, auf dem Weg zum und vom Metzger Gerhard Meyer.

 

Das hat Nemberch aber nicht verdient. Wenn ich nur den kulinarischen Aspekt herausgreife, hat Stadt und Umland allerhand zu bieten. Eigentlich genug, um ein paar Tage zu bleiben und es sich gut sein zu lassen.

 

Eine Aufstellung dessen erspare ich mir und Ihnen. Was mir aber sofort wieder einfällt, wenn ich an kulinarische Spitzenleistungen denke, ist das Gasthaus Rottner. Nicht wegen der Kulinarik allein, sondern wie sie es machen. Wegen dem fränkischen Lokalkolorit. Gibt es in Nemberch häufig, aber eher auf einfachem Niveau, nicht so spitzenmäßig. Was mir im allgemeinen auch genügt. Aber manchmal muss es eben etwas mehr sein.

 

Das Hotel Rottner, neben dem Gasthaus, verleugnet jeglichen fränkischen Bezug. Die Zimmer sind kunterbunt und der Inhalt der Minibar gehört(e)? zum Übernachtungspreis. Diese Preiskomponente hat in der Tat nicht die geringste Ähnlichkeit zur fränkischen Mentalität. Des passt fei net. Ist aber ausgesprochen sympathisch. Und natürlich: Lammbratwürstchen, Lammbroutwerscht.

 

Also müssen wir da irgendwann wieder hin. Bei der Gelegenheit möchte ich mich eigentlich mit einem kompetenten Gesprächspartner darüber unterhalten, warum Nemberch offiziell Nürnberg heißen muss, nicht die Hauptstadt von Mittelfranken – ab jetzt Middlfranggn - ist und warum die Nembercher Broutwerscht so klein sind.

 

Da fällt mir auf Anhieb nur der Nembercher Bürgermeister – ab jetzt Berchermaster – ein. Denke, er hat die nötige soziale Kompetenz. Er heißt Ulrich Maly und kommt aus Schweinau. Das ist ein Nembercher Ortsteil und in der Nähe von Großreuth bei Schweinau, wo Rottner sind.

 

http://www.marktspiegel.de/nuernberg-nord/lokales/bratwurstpreis-fuer-oberbuergermeister-dr-ulrich-maly-d8325.html

 

Alles Nemberch.

 

Muss ich den Herrn Oberberchermaster nur dazu bewegen, uns einzuladen.

 

 

Brief an den Bürgermeister

 

Herrn Dr. Ulrich Maly Oberberchermaster der Stadt Nemberch

 

Sehr geehrter Herr Oberberchermaster,

 

nachdem ich lange darüber nachgedacht habe, warum mich, immer wenn ich an Nemberch denke, größtes Unbehagen erfasst, ist mir nun die Erkenntnis gekommen. Es ist nicht Nemberch selbst, wie sollte es auch. Immerhin ist Nemberch innerhalb der Mauern die (fast) schönste Stadt Deutschlands. Es ist ganz allein die hochdeutsche Schreibweise, die mich stört. Mit Verlaub, Nüüürnberg kann doch kein normaler Frangge über die Lippen bringen, ohne sein Kau- und Sprechwerkzeug zu derangieren. Es ist das für richtige Franggn absolut widernatürliche „ü“, das hindert, den ehrwürdigen Namen richtig auszusprechen.

 

Wie übrigens auch Ihre aus unerfindlichen Gründen noch nicht eingemeindete Nachbarstadt, die sich Fürth in Bayern nennt, wo sie eigentlich Ferth in Franggn heißen müsste.

 

Da wundert es nicht, dass Nemberch nicht Bezirkshauptstadt geworden ist, sondern diese Würde den Anschbachern überlassen musste, die immerhin in der Lage sind, den Namen ihrer Stadt einigermaßen korrekt so zu schreiben, wie sie ihn sprechen können. Es wundert auch nicht, dass die Nembercherli, diese konfirmandenpimmeligen Werschtli, so gla sind. Wobei die Anschbacher das Selbstbewusstsein haben, ihre Broatwerscht in Normalgröße herzustellen, obwohl sie schmecken, wie von der Freibank. Wenn man Hauptstadt ist, kann man die Woscht ruhig nach dem Maß des erwachsenen Mannes fertigen. So, wie sie im umliegenden Middlfranggn, wo Männer noch richtige Männer sind, vom Metzger nach seiner (wenn man dem Hörensagen Glauben schenkt) selbst genommenen Größe auf die Schüssel gelegt werden. Metzger Gerhard Meyer vom Kirchenweg – wo ich gerne Kunde bin - weiß, wie es geht. Er hat das Gespür für Proportionen und politische Entwicklungen.

 

Fassen wir zusammen. Nach Änderung des Namens von der preußischen in die middlfränggische Schreibweise sowie nach Wiedererlangung des Nembercher Selbstbewusstseins in Bezug auf die Herstellung der Nembercher Broatwoscht in Mannesgröße, dürfte auch die Verlagerung des Regierungssitzes von Anschbach nach Nemberch eigentlich ein Selbstläufer sein.

 

Sofern Sie hierfür weitere argumentative Unterstützung brauchen, will ich gerne mit meiner Frau die 400 km Fahrt vom Rheinland auf mich nehmen und Ihnen helfen, Entscheidungsträger zu überzeugen. Nach einem siebengängigen Degustationsmenü im Essigbrätlein können wir darüber reden.

 

Ein Beratungshonorar fordere ich nicht, nur die Kosten für das Menü müssten Sie schon übernehmen. Zu meiner Reputation möchte ich Ihnen mitteilen, noch nie im Bratwurst-Röslein gemeinsam mit den Herren Brehm und Söder gewesen zu sein. Deshalb können wir uns gerne vielfältig austauschen, vom Oberamtsrat a.D. mit middlfränggischer Kindheit (Justitia ohne Augenbinde auf dem Rathaus) zum Oberbürgermeister. Oder Frankenkaiser, wie unterthänige und einsichtige Journalisten, die nix mit Söder am Hut haben, gerne schreiben.

 

Ich wünsche Ihnen weiterhin politischen Erfolg. Auch wenn Sie mein gut gemeintes Angebot nicht annehmen wollen. Möchte aber schon erreichen, dass Briefe nicht mehr zurück kommen, wenn ich in das Adressfeld „90402 Nemberch“ schreibe.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

P.S. Ich glaube, wir gehen anstatt ins Essigbrätlein lieber zu Rottner.

 

 

Nun, wie nicht anders erwartet, hat Herr Dr. Maly geantwortet.

 

Antwort vom Bürgermeister

 

Haben Sie vielen Dank für Ihre Betrachtungen den Nürnberger Dialekt betreffend. Mir scheint, hier hat sich ein Autor Gedanken gemacht, der möglicherweise durch einen – mutmaßlich familienbedingten Zwangsumzug ins Rheinland im jugendlichen Alter seiner wahren Herkunft besonders verbunden ist.

 

Jaja, da kommt er der Sache ziemlich nahe, obwohl mein Vater mich nicht in Ketten legen musste, damit ich ich unsere Kleinstadt verließ. Aber ich glaube, Herr Dr. Maly ist ein fränggisches Schlitzohr.

 

Dass es an der Nürnberger Mundart liegen könnte, dass Nürnberg nicht Bezirkshauptstadt (geworden) ist, ist ein neuer Gedanke.

 

Oh, da habe ich wohl Text an die falsche Stelle verschoben. Natürlich liegt es nicht an der Mundart, sondern an denna glanna Broutwerscht. Was er mir aber dazu noch schreibt, unterliegt der Geheimhaltung. Auch das über den Glubb. Hat mich Herr Dr. Maly drum gebeten, also sage ich nix. Nicht ums Verrecken. Entschuldigen Sie die einfache Ausdrucksweise.

 

Dabei bin ich sicher, dass die Nürnberger ihren Stadtnamen durchaus hochdeutsch aussprechen können. Spätestens seit Albrecht Dü!rer. Wenn doch nicht, dann heißt es eher ortsüblich „Närmberch“ und nicht Nemberch, wenn Sie eine Sprach-Korrektur erlauben. Auch die Größe der „Närmbercher Broudwärschd“ sind dem hiesigen Selbstbewusstsein keineswegs abträglich. Sie mögen klein sein, dafür sind sie in aller Welt verbreitet und beliebt.

 

Interessant, was die Sprachkorrektur anbetrifft. Sie resultiert nämlich daraus, dass in Franggn alle paar Kilometer die Mundart diversen Veränderungen unterliegt. Da wo ich herkomme, heißt Nürnberg Nemberch. Das liegt cirka 50km weiter westlich. Und das „u“ in Broudwärscht fällt weg, klingt eher wie ein Laut zwischen „o“ und „a“, wobei man das „a“ erst hört, wenn das „o“ schon fast vorbei ist. Es ist eher ein offenes „o“. Aber daran erkenne ich Nembercher. Sie können sich vor mir nicht verstecken. Ich mich vor Ihnen schon.

 

Ich sage Dank für Ihr großherziges Unterstützungsangebot. Leider ist es gar nicht nötig. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim siebengängigen Degustationsmenü oder beim Besuch im Gasthaus Rottner. Sie werden in beiden Häusern auch ohne mich angenehme Stunden verbringen.

 

Mein Kommentar

 

Das tut mir aber jetzt leid. Aus zwei Gründen. Einmal, weil ich die Zeche selbst bezahlen muss und einmal, weil Herr Dr. Maly nie erfährt, wie er es machen muss, dass Nemberch Hauptstadt von Middlfranggn wird. Und nicht mehr Anschbach. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen und Herr Dr. Maly hat das Problem der Mannesehre elegant umschifft. Ich weiß nun nach der Lektüre des untenstehenden Links und zusätzlicher Literatur, warum die Nembercher Broutwerscht so klein sind. Ganz einleuchtend ist mir die Begründung mit den Schlosslöchern aber nicht. Da scheint mir ein Märchenerzähler am Werk gewesen zu sein.

 

Eigentlich könnte ich Markus Söder animieren, mit mir zu Rottner zu gehen. Aber ich glaube, ich lass es.

 

Heinz Elflein

19.02.2015

 

http://www.nuernberger-bratwuerste.de

 

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