Fischen in Windsa

mein kleines Anglerparadies

 

 

Oberntiefer Weiher

 

Am Oberntiefer Weiher bin ich in mich gegangen. Es war wie eine Art Gehirnwäsche. Ob ich einen Fisch fing, war da gar nicht mehr so wichtig. Allein das Sitzen an dieser Stelle hat mein Nervenkostüm beruhigt. Morgens um 6 verließ ich mein Hotelzimmer. Wenn ich gegen 18 Uhr die Ruten einpackte, um „beim Lichteneber“ Bratwurst und Frankenwein zu konsumieren, waren alle Probleme, die ich am Morgen noch hatte, so etwas von relativ.

Da sitze ich also den ganzen Tag am Weiher. Esse nichts und trinke nichts. Brauche nichts.

 

Vor mir liegen zwei Ruten auf einem Einbein-Ständer. Am Ende der Rute hängen einige Maiskörner am Haken, circa 20 bis 30 Meter vom Ufer entfernt. Über ihnen ein Schwimmer. Damit ich sehen kann, ob etwas daran zupft. Ich brauche das wegen der Spannung. Manche Angler nutzen keine Schwimmer, sie angeln mit der dünnstmöglichen Schnur und mit dem kleinstmöglichen Haken. Ich halte nichts davon. Das Wasser ist wegen des lehmigen Grundes leicht gelblich trüb. Da braucht man nichts verstecken. Möchte nicht, dass ein Karpfen abreißt, weil die Schnur zu dünn ist. Oder dass der Haken ausschlitzt, weil er zu klein ist. Nutze auch kein akustisches Signal als Bissanzeige. Füttere ungern an, um die Karpfen heranzulocken. Von ein paar Maiskörnern abgesehen. Ich hätte ganz schön Gottvertrauen, hat mal ein anderer Angler gemeint. So könne man nichts fangen. Na wenn schon. Bei dem Gewässer an dem er angelt, verrottet nun das Anfütter-Material auf dem Grund des Gewässers und die Karpfen fallen schon lange nicht mehr darauf herein.

 

Ich sitze an meinem Gewässer in Mittelfranken. Mitten im Wald. Die einheimischen Angler kommen fast nie hierhin. Ist ihnen zu weit. Total einsam. So gefällt mir das. Nachtrag aus 2016: So war es früher, als noch keine Zander ausgesetzt waren. Das ist nun leider etwas anders geworden.

 

Im Hochsommer kommen schon mal Kinder aus dem Dorf, toben im Wasser auf der anderen Seite des Gewässers und die Mädchen unter ihnen schreien sich die Seele aus dem Leibe, weil die Jungens sie aus dem Schlauchboot werfen wollen. Ansonsten ist Ruhe. Ich beobachte die Natur um mich.

 

Mai 2016

 

Gelegentlich zupft etwas und der Schwimmer wackelt. Wenn er nicht nach unten geht, wechsle ich nach einiger Zeit die Maiskörner. Manchmal betupfe ich sie mit etwas Vanille. Weil die Karpfen eine gute Nase haben und Schmecklecker sind. Da brauche ich keine Futterballen ins Wasser zu werfen.

 

An manchen Tagen gehe ich wieder in mein Quartier, ohne einen Fisch gefangen zu haben. Ist aber nicht schlimm. Der Tag am Weiher hat mir trotzdem viel gegeben.

 

Die nächsten Absätze mögen Sportangler überlesen, damit es sie nicht langweilt:

 

Wenn jedoch der Schwimmer nach unten geht oder seitlich weggezogen wird, ist Action angesagt. Da gilt es, die gespannte Schnur kurz nach oben anzureißen, damit der Haken im Vordermaul des Karpfens hakt. Dann passiert es, dass der Fisch innerhalb von Sekunden etliche Meter Schnur von der Leine zieht, die hoffentlich nicht so stramm eingestellt ist, dass sie reißt.

 

Der Karpfen ist nun auf der Flucht. Man muss ihn geduldig mit immer strammer Schnur, die auch nachgeben darf, langsam heran ziehen. Wenn man die Schnur locker lässt, ist der Fisch wahrscheinlich weg. Es kann – je nach Größe des Karpfens – etliche Minuten dauern, bis man ihn müde gedrillt hat. Jede Sekunde kann es passieren, dass er sich befreit. Das ist auch in Ordnung. Dann hat er den Kampf gewonnen. Im anderen Fall hat man ihn irgendwann in der Nähe des Ufers. Zu glauben, es wäre nun ausgestanden, wäre verfehlt. Wenn nämlich der Fisch die menschliche Gestalt am Ufer zur Kenntnis nimmt - und er tut es mit absoluter Sicherheit - erfasst ihn die nächste Panik, die ihm Kräfte verleiht. Dann zieht er noch einmal ab. So lange, bis er endgültig so müde ist, dass man ihm den Kescher unterschieben kann. Wenn man den Karpfen nun kurz vor sich hat, biegt sich die Rute durch. Ein Karpfen ist bärenstark. Das Anglergerät ist aber darauf vorbereitet, die Rute bricht nicht durch und auch die Schnur reißt nicht. Wenn man sie anständig angebunden hat. Der Kescher sollte groß genug sein und eine lange Stange haben, damit der Fisch hinein plumpsen kann. Erst dann hat man ihn wirklich gefangen. Viele Angler verlieren den Fisch noch beim Keschern, weil sie sich ungeschickt angestellt haben oder der Fisch nur schlecht gehakt war.

 

Was macht man nun, wenn der Fisch angelandet ist? Man befreit ihn zuerst vom Haken. Wenn er diesen tief geschluckt hat, macht es keinen Sinn, den Haken heraus operieren zu wollen. Darunter leidet der Fisch nur. Abschneiden ist die einzige Alternative.

 

Dann kommt die Entscheidung über Leben oder Tod. Früher war das einfach. War der Fisch zu klein, setzte man ihn vorsichtig wieder ins Wasser zurück. War er groß genug und wollte ich ihn mitnehmen, habe ich ihn (Stand 1999) abgedunkelt gehältert. Das heißt, der kam in einen dunklen Sack ohne Maschen und mit dem Sack zurück ins Wasser. Damit er frisch blieb.

 

 

Mehr als einen Karpfen habe ich nie mitgenommen. Erstens weil man sowieso nicht mehr essen kann und zweitens, weil es eine Fangbeschränkung gibt und ich werde den Teufel tun, nur nicht die Angellizenz am Wasser gefährden.

 

Karpfen, die ich mitgenommen habe, mussten allerdings vorher waidgerecht getötet werden. Das geschieht zunächst mit einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf. Von da an spürt der Fisch nichts mehr. Dann habe ich ihn, noch am Wasser, mit einem scharfen Messer vom After her aufgeschlitzt und die Eingeweide entnommen. Die blutigen Hände im Weiher gewaschen. Zurück in der Ferienwohnung wurde der Karpfen filetiert. Die Farbe des Filets ist wirklich eine Augenweide. Sieht aus wie bestes Rind. Bei der Abreise habe ich dann meist drei Filets mitgenommen, aus denen wir zuhause Karpfenklößchen fabriziert haben. Mit fränkischem Riesling. Lesen Sie hier: Karpfenkloesschen

 

Spötter könnten meinen, hätte ich den Fisch gekauft, wäre es sicher billiger geworden. Das stimmt, aber sicher nicht in dieser Qualität und ein Tag am Wasser im Wald kann überhaupt nicht mit Geld aufgewogen werden.

 

Noch ein Hinweis für andere Sportfischer: Bemühen Sie sich nicht. Es gibt keine Gastkarten.

 

09.02.2017

 

Oberntief

 

 

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