Gasthof zum Storchen

 

 

 

 

 

Nach Bad Windsheim fuhren wir in den 19hunderter Jahren immer gerne.  Ich selbst habe meine Jugend da verbracht. Nach Ende meiner Schulzeit siedelten wir nach Neuss am Rhein um.

 

So kam es zu jährlichen Besuchen in der Heimat Später gesellte sich auch meine Frau dazu, die fahrlässigerweise in Nürnberg den goldenen Ring – der aus Messing ist - am Schönen Brunnen berührt hat. Was zwangsläufig dazu geführt hat, dass sie einen Franken heiraten musste.

 

Wir sind/waren eine frankophile Familie. Franken sind ja die Franzosen Bayerns.

 

Wir wohnten immer im Kurpark und gingen in den Storchen essen. Was anderes gab es so gut wie nie. Nach dem Tod meiner Eltern war ich 13 Jahre nicht mehr in meiner Heimatstadt. Das änderte sich, als ich auf dem Weg aus der Oberpfalz an den Main an meinem Navi die Autobahnoption deaktivierte. Plötzlich fuhren wir durch den Aischgrund. Mit nachhaltigen Folgen.

 

Es kam mir denn nach langen Jahren auch wieder der Gasthof zum Storchen in den Sinn. Ich betrat ihn in der letzten Septemberwoche 2016 und es war, als wäre ich nie weg gewesen. Ich wurde mit Handschlag begrüßt und durfte am Stammtisch Platz nehmen.

 

Es gab Zeiten, da hatte der Storchen eine Kochmütze im Varta-Führer. Später wurde eine Lilie daraus und irgendwann war auch die weg. Die Küchenleistung hatte sich aber nicht verändert. Was man im Storchen von solchen Auszeichnungen hielt, sagte mir damals der Juniorchef. Nämlich nichts. Familie Götz freue sich über jeden Gast, koche aber lieber für die Gäste, die man habe und nicht für die, die man vielleicht bekommen könne.

 

Ich erinnere mich noch an einen meiner runden Geburtstage. Hatte meinen Freundeskreis nach Bad Windsheim gelotst. Es gab Waller im Heusud. Das frische Heu hatte die Großmutter im Garten an der Aisch gemäht. Es wurde getrocknet und in ein Säckchen genäht. Das Wallerfilet im Sud wurde dann an das Säckchen gelegt. Ich habe nie mehr ein köstlicheres Wallerfilet bekommen.

 

Ende September 2000, als wir aus dem Süden kamen und Richtung Würzburg fuhren, übernahm plötzlich mein Auto das Kommando, bog von der Autobahn ab und blieb vor dem Storchen stehen.

Auf der Zusatz-Karte stand "Gutes aus dem Naturpark Frankenhöhe, Lamm". Gebackene "Crepes Oriental mit einer Füllung aus Lammfleisch, Gemüse und Kräutern", sowie "Gegrillte Lammsteaks aus der Keule und Lammbratwürstchen provenzalische Art mit hausgemachter Olivenbutter, dazu Zucchini Tomaten, Ragout und Rosmarinkartoffeln.

 

Das sind natürlich Ereignisse, die einen Gasthof wie den Storchen - der für manchen bieder und gutbürgerlich ist - zum Spezialitätenrestaurant mit Sternenambitionen befördern könnten.

 

Wenn ich es recht beurteile, begnügt sich Familie Götz und Frank damit, dem Gast eine ausgereifte, fränkische Küche zu bieten. Im passenden Ambiente. Als ich jetzt da war, fand ich das „Storchennest“ wieder auf der Karte. Ein jahrzehntealter Klassiker. Ich nahm das „Schusterpfännchen“, verschiedene Filets mit Bratkartoffeln. Die Apfelküchle gibt es nicht mehr. So musste ein Silvaner als flüssige Nachspeise herhalten.

 

Hinzukommende Gäste aus der Nähe von Düsseldorf hielten mich zunächst für einen Einheimischen. Es hat mich geehrt.

 

Es gibt nie einen Grund, nicht in den Storchen zu gehen, wenn man in Bad Windsheim ist. Es gibt aber sicher Gründe, Umwege zu fahren, wenn Küchenchef Ulrik Frank - unterstützt durch den Seniorchef - wieder eine besondere kreative Phase hat.

 

Dann hoffe ich doch, dass meine Fahrten in den Aischgrund  wie durch ein Wunder zeitlich damit übereinstimmen. Im Storchen erwarte ich immer etwas Besonderes. Weil sie es können. Sie sollten es vielleicht öfter können wollen.

 

Heinz Elflein

04.10.2016

 

 

 

Mai, Juni 2017

 

 

Ende Mai und Anfang Juni 2017 waren wir wieder da und durften im Gastraum unter der Kuckucksuhr sitzen.

 

Es gab Spargelsalat, Schäuferla mit hausgemachten rohen Klößen, und die vom Seniorchef selbst gemachten, fränkischen Bratwürste.

 

Letztere ein Highlight.

 

Was mir fehlte, wäre ein gezapftes Pils gewesen. Gibt es aber seit Jahren nicht mehr, man muss eine Flasche bestellen, wenn es denn ein Pils und kein Museumsbier sein soll. Auch einen Dessertwein weigern sich die Familien Götz und Frank beharrlich, ihn ins Programm zu nehmen. Das lässt natürlich Rückschlüsse auf den Gästekreis zu. So bleibt der Storchen halt das, auf was er sich in den letzten Jahrzehnten festgelegt hat. Ein gutbürgerliches, fränkisches Wirtshaus, mit vergangenen Ansprüchen an noch höhere Gastronomie. Da wiederhole ich mich etwas, was aber nicht heißt, dass ich nicht mehr gerne in den Storchen ginge. Aber in der Reihenfolge der guten Restaurants ist der Storchen für mich in Bad Windsheim auf den zweiten Platz zurückgefallen. Nur, ein gezapftes Pils gibt es in meiner neuen Nummer eins auch nicht. Weil es eine Weinstube ist. Dafür einen Dessertwein.

 

Heinz Elflein

11.06.2017

 

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