Lösung des Umweltproblems

Einer muss weg

 

Eisengießerei direkt neben einem Kurviertel geht nicht. Darüber braucht man nicht diskutieren. Weil die Stinkerei aus der Eisengießerei nicht zu unterdrücken ist, auch nicht mit modernster Technologie. Insofern sind die Windsheimer in keiner beneidenswerten Lage. Schon garnicht die Politiker, die eigentlich Lösungen bringen müssten. Dazu sind sie aber, gleich welcher Coleur, nicht in der Lage. Deswegen ist es auch müßig, mit dem Finger auf die Partei zu zeigen, die Franken und Bayern regiert.

 

Auch wenn die Akteure ganz persönliche, finanzielle Interessen haben, die für sie wichtiger sind, als die Volksgesundheit. Auch wenn sie ständig ihre Volkstümlichkeit betonen und dazu keine Gelegenheit auslassen. Wie war das mit dem Rock und dem Hemd? Heimatliebe? Ja, aber zuerst persönliche Interessen und die der guten Freunde. Es geht immer nur um Geld. Um was sonst? Da brauche ich keine Namen nennen. Jeder in BW weiß, wer woran verdient und welche politische Partei er vertritt. Wobei man nie weiß, wer da am meisten partizipiert, die Partei von dem Unternehmer oder der Unternehmer von der Partei.

 

Fragen wir uns also, wie sähe eine Lösung aus. Weiter vor sich hinwursteln geht nicht. Dann ist das Prädikat „Bad“ irgendwann perdü. Auch wenn eventuell im Hintergrund stickum Weichen verstellt werden. Auf Dauer wird es aber nicht funktionieren, Grenzwerte zu verschieben. Auf Dauer wird eher der Kurgast weg bleiben, weil er eine Nase mit eigenen Grenzwerten hat. Obwohl der Anstieg der Gästezahlen momentan eine andere Sprache spricht, hinter der man sich bis zur nächsten Wahlperiode verstecken kann.

 

Ich finde, die Gefahr wird unterschätzt. Es könnte die paradoxe Situation eintreten, dass die „zulässige“ Verschmutzung unterschritten, die Grenzwerte für die Beibehaltung des „Bad“ aber überschritten werden. Wobei ich immer noch daran zweifle, dass die offiziellen Verschmutzungs-Messwerte für die Luft um die Gießerei den tatsächlichen Werten entsprechen. Die Verlautbarungen des Landratsamtes haben mich keineswegs überzeugt. Ich würde gerne Messinstrumente direkt bei den Thermen sehen. Wenn dann die Aberkennung kommt, wird das Geschrei so groß sein, wie die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Fangen wir also mit diesen direkt an. Da hätten wir den Herrn Bürgermeister, der angeblich intern über den Gestank herummotzt, aber nicht den Mumm hat, gegenüber dem Landratsamt Klartext zu sprechen, damit konkrete Handlungen erfolgen. Könnte ja karriereschädlich sein. Da hätten wir auch den schlafmützigen Stadtrat und die örtlichen Politiker der sogenannten Opposition, von denen ich rein garnichts erwarte. Die SPD steht immer noch vor dem Ball und weiß nicht, ob sie ihn spielen soll und die Grünen tun ihrem Namen in BW nicht gerade Ehre. Dann hätten wir noch die Bürgerbegehren, die zwar mit ihrem Eintreten gegen Hubschrauberlärm der Army auf dem richtigen Weg sind, aber „vergessen“, dass es ja auch Gestank und Luftverschmutzung gibt, der nicht aus Illesheim kommt. Sondern direkt aus der unmittelbaren Nähe des Kurgebietes. Man könnte den Bogen der Nichtstuer noch weiter spannen, meinetwegen bis nach Nürnberg, wo der nächste karrierehungrige, heimatlich Verantwortliche in den Startlöchern für noch höhere Weihen sitzt.

 

Schauen wir also über den normalen Politikerhorizont hinaus und suchen wir nach einer Lösung. Die ist eigentlich auch sonnenklar. Weil man die Quellen nicht verschieben kann, muss die Eisengießerei weichen. Nicht erst übermorgen, sondern besser in naher Zukunft. Beziffert man nur den wirtschaftlichen Schaden nach Aberkennung des „Bad“, dürfte dieser erheblich sein, weil es zur Folge hat, dass Kurgäste weg bleiben. Denn ein Bad, das seine Bezeichnung verliert, muss ja wohl in den Augen potenzieller Gäste einen Schaden haben.

 

Der Umweltbelaster muss also weg vom Kurgebiet. Er muss auch weg aus dem Aischgrund. Sinnvollerweise in ein Gewerbegebiet, wo seine Emissionen unbedenklicher sind. Wenn man fair bleiben will, können aber auch die Eigentümer der Eisengießerei nicht alleine auf dem Schaden sitzen bleiben, der ihnen durch eine Verlegung oder Schließung entsteht. Das muss gemeinsam geschultert werden. Das heißt, die Politik muss Gelder locker machen und es werden Millionenbeträge sein.

 

Nun höre ich schon die Stimmen. „Wegfall von Gewerbesteuern und Arbeitsplätzen“. Es stimmt. Aber man muss genauer hinsehen. Die Stadt kann nicht gleichzeitig ein aufstrebendes Kurbad sein – und da ist noch viel Platz nach oben – und gleichzeitig hohe Gewerbesteuern von Heunisch scheffeln. Im Übrigen ist die Gießerei steuerbegünstigt, was die Grünen mehr aufregt, als der Gestank. Und Arbeitsplätze können genauso transferiert werden wie Maschinen und Öfen. Dass es garnicht so viel Einheimische in Arbeitsverhältnissen sind, wie man glauben mag, spielt dabei keine Rolle. Wir wollen ja nicht fremdenfeindlich sein. Außerdem gibt es umweltfreundliche Gewerbe, die durchaus den Platz einnehmen könnten.

 

Es gibt sicher noch andere Lösungen, die weniger kostenintensiv wären, als eine Verlagerung. Aber ich bin kein Politiker in Mittelfranken, sondern nur jemand, der sich Gedanken macht. Als dieser erlaube ich mir hiermit, meine Gedanken weiter zu geben.

 

Freiwillig werden Politiker diesen Denkanstoß nicht übernehmen, darüber bin ich mir im Klaren. Es bedarf des „Mannes auf der Straße“. Von diesem erwarte ich aber nichts. Insofern befürchte ich, dass sich weiter wenig tut. Bis eventuell das eintritt, wovor die Entscheider und das gesamte Wahlvolk in BW Angst haben sollten, die Aberkennung des „Bad“.

 

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Dann gute Nacht Matthes. Die jetzigen Verantwortlichen werden sich ganz tief ducken müssen, sofern sie sich nicht schon längst aus der Verantwortung gestohlen haben.

 

Eventuellen Spott nichtstuender Größen ertrage ich.

 

Heinz Elflein

20.01.2018

 

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