Naturschützer und Angler

 

Naturschützer und Angler

 

Eigentlich wollte ich diesen Artikel „Naturschützer und sonstige Idioten“ benennen. Geht aber nicht. Einmal, weil man andere Überzeugungstäter nicht als Idioten bezeichnen sollte. Aber auch, weil ich als Angler selber Naturschützer bin. Nur mit einer anderen Denkweise als die, die glauben, anderen Leuten Vorschriften machen zu müssen und es leider auch erreicht haben. Und drittens, weil man sonst auf die Idee kommen könnte, ich würde Angler verunglimpfen. Tue ich aber nicht, bin selber einer.

 

Nun gebe ich Ihnen mal hier weiter, was mir mein Cousin aus Nemberch erzählt hat. Im Hochdeutschen nennt man Nemberch allerdings „Nürnberg“. Aber ein Franke kann das „Ü“ nicht so richtig aussprechen, da dreht sich die Zunge um, es sei denn, er wäre Türke.

 

Mein Cousin, benennen wir ihn hier mit dem Pseudonym „Werner“, ist Mitglied in einem Nembercher Sportfischer-Verein. Mit der Bezeichnung „Sportfischer“ habe ich allerdings so meine Probleme, aber das trifft hier nicht den Kern des Themas.

 

Nun stand er an einem Gewässer in Nemberch, das jahrelang nicht beangelt werden durfte. Woraus man schließen kann, dass ganz dicke Fische herangewachsen sind. Dem war dann auch so, Werner zog einen Karventzmann von Karpfen an Land. Normalerweise landen Karpfen dieser Größe nicht im Kochtopf. Der verantwortungsvolle Angler entfernt den Haken und setzt den Fisch behutsam in sein Element zurück. Ich vermute jetzt mal, dass Werner das eigentlich auch so gemacht hätte, wenn ihm entgangen wäre, dass er beobachtet wird. Es ist ihm aber nicht entgangen, dass zwei Personen auf einer Brücke standen, die ihn unablässig im Visier hatten. Also hat er den Fisch waidmännisch mit einem Schlag auf den Kopf betäubt und ihn dann mit einem Herzstich getötet.

 

 

 

Werner und der Superkarpfen

 

Warum Naturschützer wollen, dass man einen solchen Fisch töten muss, anstatt ihn nach Abwägung aller Fakten am Leben zu lassen, werde ich nie verstehen. Man solle ihn einer „sinnvollen Verwendung“ zuführen, meinen Naturschützer und irgendwo ist das auch in einer Rechtsverordnung so niedergeschrieben.

 

Jetzt wird es aber noch kurioser. Ausnehmen darf man den Fisch am Wasser auch nicht. Der Angler muss nun also den Angeltag beenden, mit dem Fisch nachhause fahren und soll ihn dort ausnehmen. Wenn er ihn nicht in den Mülleimer wirft, was auch niemand kontrollieren kann. So etwas tut aber ein Angler nicht. Dazu hat er zu viel Achtung vor der Kreatur.

 

Die beiden von der Brücke, Naturschützer, die auch Fischerkontrolleure waren, haben Werner nun eingehend überprüft, alles war papiermäßig in Ordnung und sie haben ihn bestätigt, sich gesetzestreu verhalten zu haben. Mit dem langsam stinkenden Fisch im Gepäck, sofern er das Angeln nicht abgebrochen hat. Wenn ich dabei gewesen wäre, hätte ich die Herren freundlich gefragt, ob sie schon einmal ins Wasser geworfen worden wären.

 

Aber Werner zolle ich meine Hochachtung, er hat sich so verhalten, dass seine Anglerlizenz nicht gefährdet wurde.

 

Ich selber mag nicht unter Beobachtung angeln. Mir reicht es schon, wenn außer mir andere Angler in Sichtweite sind. Aber bitte nicht so nah, dass sich die Haken verhaken oder die Schnüre sich begegnen.

 

Früher, als es noch erlaubt war, hatte ich immer einen Karpfensack bei mir, in dem ich die Fische gehältert habe, bevor ich den Angeltag beendet habe. Dann erst wurden sie getötet und – natürlich in Wassernähe – ausgenommen. Wie ich mich jetzt verhalte, erzähle ich hier nicht. Weil ich niemanden belügen möchte und auch nicht vor dem Kadi landen möchte. Wie ein anderer Angler, der in einer Fachzeitschrift berichtet hat, wie er einen Fisch gefangen und was er damit gemacht hat.

 

Ich persönlich, aber das ist meine ureigene, ganz persönliche Meinung, halte nichts von dem Begriff „Sportfischer“. Höchstens, wenn man sich damit von einem Berufsfischer abgrenzen möchte. Ich nehme auch nicht an Wettfisch-Wettbewerben teil. Da schlägt dann mein Gewissen, weil ich mich frage, ob man ein Tier zum Objekt machen darf. Außerdem sind mir da zu viel Leute.

 

Ich sitze lieber hobbymäßig allein am Wasser und gebe zu, einer der vielleicht verpönten „Kochtopfangler“ zu sein. Wobei Kochtopf oder Pfanne oder Grill Nebensache sind. Für mich zählt das Naturerlebnis.

Ist der Fisch zu klein, darf er zurück ins Wasser. Ist er zu groß für die Kulinarik, eigentlich auch. Eigentlich, wenn die Rechtslage und der Angelverein es erlauben würden.

 

Insofern stehe ich den „Naturschützern“ doch etwas nahe. Soll sich aber keiner bei mir blicken lassen, wenn ich gerade am Wasser bin.

 

Das sagt

 

Heinz Elflein

18.08.2017

 

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