Weinstube Zu den drei Kronen

 

 

 

 

Jedesmal, wenn wir uns in den letzten Jahrzehnten in Bad Windsheim aufhielten, versäumten wir es eigentlich nie, der Altfränkischen Weinstube Zu den drei Kronen einen Besuch abzustatten. Nicht unbedingt nur wegen dem Wein und auch nicht unbedingt nur wegen der Küche. Das Essen war dort gut und preiswert, auf bürgerlich-fränkischem Niveau. Die Weine eher aus weniger bekannten Lagen, aber auch preiswert. So wie der Einheimische es haben wollte.

 

Nein, der Reiz der Weinstube liegt in seiner Mittelalterlichkeit. Betritt man das Haus, kommt man zunächst in die "neue" Stube. Rechts davon ist die alte Stube. An der Wand hängen die Bilder längst verstorbener Honoratioren der Stadt, die in der Weinstube Stammgäste waren. Man glaubt es kaum, einige davon habe ich noch zu deren Lebzeiten gekannt. Auch den Vater des Besitzers, Herrn Schmidt. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als er seinem Sohn das Haus übergeben hat, als dieser von langer Seefahrt zurück kam und eine englische Frau mitbrachte. Nun sind beide auch schon in Rente.

 

Nach 13 Jahren Abwesenheit sind wir im Herbst 2016 wiedergekommen. Zwischenzeitlich hat es zwei Pächter gegeben. Seit 1.10. hat Marco Schneider das Lokal übernommen.

 

http://www.weinstubedreikronen.de/

 

Interessant ist seine Laufbahn als Koch. „Sieh an“, dachte ich, als ich vor einigen Tagen seine Internet-Seite betrachtete, im Schloss Neuweier war er auch schon. Hätten wir uns glatt begegnen können und vielleicht hat er uns schon einmal bekocht. Wie das Leben so spielt.

 

 

Draußen vor der Tür stehend und die Karte betrachtend, kam mir zunächst der fränggische Anteil etwas unterrepräsentiert vor. Habe mir dann trotzdem einen Stoß gegeben, um hinein zu gehen. Schäufele gibt es ja fast überall in fränkischen Gasthäusern. Musste nicht ausgerechnet hier sein.

 

Nachstehend mein Beitrag für TripAdvisor. Damit ich nicht alles doppelt schreiben muss.

 

 

 

 

Interessant auch die Getränkekarte, mit Spirituosen, die man normalerweise an der Bar eines größeren Hotels vorfindet. Ob Marco Schneider damit reüssiert, wage ich zu bezweifeln. Dürfte für die Windsemer etwas sehr exotisch sein. Aber vielleicht findet sich ja eine neue Fangemeinde, die so etwas vermisst hat. Man weiß nie.

 

Ich wünsche Marco Schneider viel Erfolg. Möge er noch lange Zeit die historische Weinstube und Bad Windsheim aufwerten. Wir werden auf alle Fälle wieder bei ihm erscheinen, wenn wir in diesem schönen Landstrich – der meine Heimat ist – zu Besuch sind.

 

Man darf ja auf etwas stolz sein.

 

Heinz Elflein

23.10.2016

 

Marco Schneider mit Mutter

 

Nach meinem Besuch im Oktober 2016 hatte ich zuhause viel von der „neuen“ Weinstube erzählt. So kam es, dass Marianne und Renate sehr gespannt waren und Wochen vorher schon eine gewisse Vorfreude entwickelten. Sie waren sehr gespannt, meine neue kulinarische Nummer 1 in Bad Windsheim selbst zu erleben.

 

Donnerstag, 1.6.2017:

 

Natürlich hatte ich einen Tisch in der alten Stube reserviert.

 

Secco Rose vom Weingut Meier, Ulsenheim

 

Gebeizte fränkische Lachsforelle , Ginemulsion, eingelegte Zitronen

 

Pikantes Kokos-Geflügel-Süppchen, glasierter Entenbrustspieß

 

Rosa gegrilltes Flanksteak vom Sugenheimer Fleckviehrind, gebratener grüner Spargel, Maispüree

 

Pastaspargel, Grüner und weißer Spargel, Linguine, Tomaten, Bergpfeffer

 

New Style Zwiebelrostbraten, Medium gebratenes Roastbeef vom deutschen Färsenrind, Röstzwiebel, Honig-Schalotten, Kartoffel-Chili-Püree

 

 

 

Dass Marco Schneider nun auch einen Spätburgunder anbieten würde, hatte er mir schon vorher mitgeteilt. Es war ein 2013er First Eußenheim Spätburgunder Q.b.A trocken und er hat mich wirklich voll überzeugt. Beweis: Bestellung beim Weingut Werner Höfling in Eußenheim ist unterwegs. Von dem Weingut hatte ich nie vorher etwas gehört. Es liegt in der Nähe von Karlstadt.

Wer Karlstadt nicht kennt, sollte sich die nächste TV-Sendung vom Karneval in Veitshöchheim anschauen.

 

 

 

Samstag, 10.6.2017

 

Und weil es uns so gut geschmeckt hat, sind wir am Tag vor unserer Abreise noch einmal wiedergekommen.

 

Osso Bucco milanese geschmorte Kalbsbeinscheibe, Tomaten, Rosmarinkartoffeln

 

Wiener Schnitzel, Kartoffelsalat, Zitronen-Chili-Dip

 

 

Die alte Stube war durch eine Geburtstagsgesellschaft besetzt. In der neuen Stube waren wir an einem Samstag Abend die einzigen Gäste. Ich hoffe, das war nicht symptomatisch. Es hieße nämlich, dass die Windsheimer die gehobene Küche von Marco Schneider nicht verstehen. Und es würde mir fürchterlich leid tun. Einmal für Marco Schneider und einmal für Bad Windsheim.

 

Im Übrigen fällt mir auf, wenn ich mir andere Bewertungen im Internet ansehe, dass fast niemand dabei ist, der weniger als alle 5 Sterne gegeben hätte. Da hatte ich lange überlegt. Ausschlaggebend, warum bei mir der 5. Stern noch fehlt, war einzig die Überlegung, der junge Mann müsse noch Steigerungsmöglichkeiten haben. Vergleiche ich die Bewertung, die ich anderen Restaurants gegeben habe, wäre es vielleicht angemessener, dort einen Stern abzuknipsen. Will aber damit nur sagen, man sollte die Bewertungen nicht vergleichen. Fünf Sterne in einem guten Restaurant sind nicht mit 5 Sternen in einem Spitzenrestaurant zu vergleichen. Da fehlt die Bandbreite. Und wenn jemand jahrzehntelang auf hohem Niveau gekocht hat, jetzt aber leicht abfällt - auch wenn anderweitig aufgeholt und überholt wurde - nehme ich ihm meine gute Bewertung nicht ab.

 

Heinz Elflein

12.06.2017

 

 

Der liebe Gott hat gewollt, dass wir 2018 nicht nach Bad Windsheim fahren konnten. Aber im August 2019 hat er uns das Tor wieder geöffnet.

 

Im Vorfeld hatte ich natürlich die Speisekarte per Internet angesehen. Was mir auffiel, war das Maishähnchen. Normalerweise nicht unbedingt ein Gericht, das ich in einem Gourmetrestaurant erwartet hätte.  Beim Nachdenken kam ich zu einem anderen Schluss. Es hängt wohl immer davon ab, was der Koch daraus macht und man sollte keine Vorurteile hegen. Und wenn es um Erbsensuppe geht. Es gab sie auch, aber als Kaltschale. Und zwar so excellent, dass wir und unsere familiären Begleiter noch heute davon schwärmen. Das Maishähnchen haben wir auch versucht und waren sehr zufrieden. Ist eben was anderes, als an der Imbissbude.

 

Man lernt ja immer noch dazu. Ich nehme daraus mit, zukünftig vorbehaltlos in Restaurants zu gehen. Vor allem, wenn sie von dieser Güte sind.

 

Weil nun mal der Franke seine Bratwurst und sein Schäufele braucht, wird Marco Schneiders Küche im Ort zwiespältig gesehen. Was mir auch ein renommierter Metzger gesagt hat. Es fehle die fränkische Komponente. Marco Schneider meint dazu, er hätte die fränkischen Spezialitäten wohl angeboten, die Nachfrage sei aber ausgeblieben. Das liegt aber meiner Ansicht nach daran, dass der Franke sehr preisbewusst ist. Schäufele gibt es auch für 9,90 € und  sogar ****-Sterne-würdig.

 

Das Segment, indem sich die Weinstube behaupten kann, ist ganz klar die gehobene Küche mit Geschmackserlebnissen, die es anderswo nicht gibt. Wir freuen uns, dass die einschlägigen Gourmetführer das ebenso vermitteln.

 

Insofern hoffen wir, uns 2020 wieder zu sehen. Familie Schneider als Gastgeber. Wir und andere hochnäsige Leute als Gäste. Normalesser dürfen auch kommen. Sollten sie machen. Werggli.

 

Heinz Elflein

25.09.2019

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