der den Falken zwickt

Landhaus zum Falken

 

 

 

 

07.04.2016

 

„Wenn Sie zur Bratwurst Senf auf Ihrem Teller haben, sind sie nicht bei uns!“ Auf charmantere Weise kann man nicht sagen, für Banausen nicht kochen zu wollen, dachte ich mir. Hier bin ich richtig, war der nächste Gedanke.

 

Der Text stand auf einer Postkarte, die in meinem Hotelzimmer lag. Das Hotelzimmer war das Zimmer 4 im Landhaus zum Falken zu Tauberzell.

 

Auf die Idee, hier hinzufahren, hat mich eine Serie im Nachmittags-Programm des Bayerischen Fernsehens gebracht. Es geht dort um Landgasthäuser. Die Sendung zeigte Lars Zwick unter anderem, wie er die legendären fränkischen blauen Zipfel zubereitet. Das hat mich natürlich etwas elektrisiert, die Leser meiner Beiträge hier wissen, warum.

 

Lars Zwick schlachtet Mittwochs. Donnerstag und Freitag gibt es die Bratwurst im Restaurant.

 

Für die Idee, auf dem Weg zum Bodensee einen Schlenker zu machen, habe ich mich selbst auf die Schulter geklopft und auch Marianne war glücklich, als wir das Zimmer am 07.04. gegen 15:30 im Falken bezogen. Es hat alles gestimmt.

 

Um 17.00 öffnete das Restaurant. Wir waren pünktlich da. Lars Zwick nicht. Er musste mal eben nach den Bienen schauen.

 

Es gab eine extra Bratwurstkarte. Aber die blauen Zipfel standen nicht darauf. Lars Zwick hat nur das Bayerische Fernsehen damit beglückt.

 

Wie gut, dass Melanie Beck mitgedacht hat. Ihr hatte ich vorher per Email von meinen imaginären Blaue-Zipfel-Duellen berichtet. Hier auf meiner Internet-Seite. Das zuletzt Sven Roder vom Restaurant Schiff in Winterhausen gewonnen hat und nix davon weiß. Ingolf Wiessler vom Lindenhof in Kreuzwertheim hatte (unschuldigerweise) verloren und weiß es.

 

Ich bekam also meine blauen Zipfel und es brauchte nur einen Biss, um die ganze Göttlichkeit dieser evangelischen Bratwürste, die nicht gebraten werden, zu offenbaren. In meinem Kopf gab es eine Neuauflage des Duells und einen schnellen Sieger. Er heißt Lars Zwick und ich glaube nicht, dass er zu meinen Lebzeiten noch einmal übertroffen wird. Sud und Würste ergaben die perfekte Symbiose. Von der Größe her nach dem Maß des Middlfranggn außerhalb von Nemberch.

 

Somit gibt es auch keine Duelle mehr. Höchstens, wenn das Bayerische Fernsehen sie organisiert. Aber die werden in Franken von einer Frau repräsentiert, der ich jetzt einfach mal unterstelle, dass für sie fränkische Kulinarik zweitrangig ist und sie bei McDonalds essen geht.

 

Marianne aß zur gleichen Zeit die gebratene Version und war ebenfalls höchst angetan.

 

Ganz am Ende hatte ich noch eine perfide Idee. Manchmal wütet so etwas in meinen Gedanken. Ich sitze es meist aus. Was wäre, wenn ich um eine Portion Senf gebeten hätte. Die Folgen mag ich mir nicht ausmalen. Ich habe es auch nicht gemacht. Das hat Lars Zwick und seine göttliche Kreation wirklich nicht verdient.

 

Jetzt aber mal Spaß beiseite. Das für Franken „normale“ Lebensmittel, die fränkische Bratwurst, ist im Falken zur obersten Kultspeise aufgewertet. Und das vollkommen zurecht. Wenn ich es so recht betrachte und Parteinahmen ausfiltere, kann man sowieso nur in Mittelfranken die „richtige“ fränkische Bratwurst machen. Und dann auch nur, wenn man im Landkreis NEA aufgewachsen und die Bratwurst direkt anschließend nach der Muttermilch bekommen hat. Warum das so ist, kann ich gerne im persönlichen Gespräch erläutern, für eine Bewertung des Falken würde es nun doch zu weit führen.

 

"Das gibt es bei uns nicht", meinte ein Ehepaar aus NRW vom Nachbartisch. "Wohl wahr", sagte ich. Sie wissen ja nicht, dass ich die erste und letzte Bratwurst, die ich 1959 in Düsseldorf nur leicht angebissen hatte, sofort spontan ausgespuckt habe.

 

 

 

 

 

08.04.16

 

Unsere schnuckelige Ecke vom Vortag war leider reserviert. Als ich dann fragte, in welcher Ecke wir heute liegen sollten, wies uns Lars Zwick wieder die Ecke zu. Marianne fand das äußerst aufmerksam. Ich gab mich bedeckt, hätte nichts anderes erwartet.

 

Warum Lars Zwick nicht nur für seine Bratwürste bekannt ist, die es sowieso nur Do und Fr gibt, bekamen wir mit unserer Menüwahl eindrucksvoll zu schmecken.

 

Feldsalat mit Speckwürfelchen und gerösteten Croutons

Bärlauchsuppe, sehr kräftig abgestimmt.

Rindersteak mit Mostkruste und geriebenem Kren,

Zwiebelrostbraten, wie Lars Zwick ihn selber liebt,

 

mit einer Sauce, die den Testern vom Michelin die Augen rollen lassen würde, wenn sie gerade hier wären.

 

 

09.04.16

 

Abreise. Das komplette Haus wird für eine Hochzeit benötigt. Wir wären gerne noch etwas geblieben. Ging leider nicht. Deswegen räche ich mich jetzt und schreibe hier hinein, dass das linke Bett fürchterlich geknarzt hat. Wenn wir wiederkommen und Zimmer 4 erhalten, muss das weg sein.

 

Im Gepäck haben wir neben einigen Spirituosen und einem Spätburgunder Tauberhase (mit einem Rammler auf dem Etikett), die von Frau Beck gemachten Honigkerzen. Einen Weißwein Alter Wengert, junge Liebe, erhalten wir obendrauf als Geschenk.

 

Im Hausprospekt steht, dass Lars Zwick zusammen mit Jürgen Koch aus Weikersheim und Christian Mittermeier aus Rothenburg auf dem gemeinsamen Weinberg Bratwürste auf Rebholz grillen und heiß geräucherte Tauberforellen anbieten. Mitten im Weinberg oder vor der Weinbergshütte. Das weckt natürlich meine Begehrlichkeiten. Müssen wir mitmachen. An der Rezeption erfahre ich aber, dass man das als Gruppe buchen muss. Fällt also flach für mich.

 

Das habe ich jetzt davon, dass meine Freunde nicht mehr mitfahren, weil ich ihnen zu oft gesagt habe, dass mir Rheinufergemüse nicht schmeckt.

 

Heinz Elflein

09.04.2016

 

Frau Beck und Herr Zwick

 

http://www.fnweb.de/region/rhein-main-neckar/hohenlohe-franken/mit-liebe-furs-echte-und-ursprungliche-1.2246550

 

Auszug:

Mit Liebe fürs Echte und Ursprüngliche

Tauberzell. Das fränkische Kirchdorf Tauberzell liegt im hier noch engen Taubertal und ist rund zehn Kilometer flussabwärts von Rothenburg entfernt. Hinunter nach Archshofen sind es nur anderthalb, nach Creglingen nur acht Kilometer. Die Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg führt übrigens mitten durch die nahe Holdermühle und ist dort mit einem symbolischen Grenzpfahl gekennzeichnet.

 

Wer von Tauberzell aus die steile südwestliche Talkante hinaufwandert, ist ebenfalls schnell im Main-Tauber-Kreis angelangt. Ein Wohnort für Grenzgänger also - der aus Neustadt/Aisch stammende Gastronom Lars Zwick ist einer von ihnen. Und im Dorf ist er der letzte verbliebene Gastwirt.

 

Privat orientiert sich Zwick in den Main-Tauber-Kreis nach Creglingen und ins Rothenburger Gebiet gleichermaßen. "Es ist ein wundervolles Gefühl, hier in der Region durch die Landschaft und die Weinberge zu streifen", sagt Zwick. "Da kann man auch einfach nur mal sein, wo außer der Natur nix ist und einen keiner anquatscht."

 

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 16.05.2015

 

 

 

 

Juni 2017

 

 

 

Am 08. Juni 2017 kamen wir zusammen mit Cousin Werner und Frau Edith wieder. In der Tauber wollten wir Bachforellen fangen und diese im Falken zubereiten lassen. Was uns beides gelungen ist. Weil mein Cousin Werner Tauwürmer am Haken hatte. Meine Maifliege an der Fliegenrute haben die Forellen auch gesehen und sich weg gedreht.

 

Das schreit nach Revanche.

 

Als die drei Forellen nun von Lars Zwick zubereitet so appetitlich auf einem großen Teller lagen, hat mich deren Anblick so fasziniert, dass ich darüber vergessen habe, das Bild für die Götter per Foto festzuhalten. Auch das schreit nach Wiederholung. Für den 20.9.2017 ist gebucht.

 

Anschließend hat es Marianne tatsächlich fertig gebracht, Melanie Beck zu veranlassen, die etwas seltsame Kombination Bratwurst und Spargel auf einem Teller zu servieren.

Ich habe nicht die Macht und den Willen, so etwas nicht ganz Artgerechtes zu unterbinden. Gebe aber zu, es schaut verdammt gut aus. Bin auch absolut sicher, Marianne hat es so geschmeckt, wie es ausschaut.

 

 

 

Man beachte auch die blauen Zipfel auf dem Teller nebenan. Hatte Edith und Werner so lange davon vorgeschwärmt, bis sie sich entschlossen haben, mit zu kommen. „Hier gibt es die besten blauen Zipfel der Welt“. (Originalton Heinz Elflein). Werner hat es voll überzeugt.

Das schreit nun auch nach Wiederholung.

 

Heinz Elflein

Eine Woche danach

15.06.2017

 

 

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