Wiesent Muggendorf

 

Das Email meiner Cousine hatte zu Folge, dass wir standepede von Joching/ Wachau nach Oberfranken aufbrachen. Im Goldenen Stern in Muggendorf, Fränkische Schweiz, machten wir Quartier. Vom Hotel sind es nur wenige Meter zur Wiesent. Nur, Angeln dürfen die Gäste des Goldenen Stern dort nicht, sie müssen ca. einen Kilometer ausweichen. Unten in Muggendorf ist das Angeln den Gästen von Adele Würfel, Pension Eberhard, vorbehalten. Für die Angler ist alles optimal. Ich möchte aber bezüglich der Unterkunft keine Zeitreise ins Jahr 1960 antreten.

 

 

Das Servicepersonal im Stern hatte ich schon vorher auf Trab gebracht, indem ich telefonisch 3 frische Bachforellen geordert hatte. „Bachforellen, sind das die, die eine Regenbogenhaut haben?“, meinte die junge Frau. „Neeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiin“ war meine Antwort, Lautstärke 100.

Wir sollten unsere Bestellung mit den Kellnerinnen besprechen, meinte der Koch, der etwas überfordert schien und ziemlich unwirsch war. Taten wir. Bachforelle gebraten mit Mandelbutter.

 

Bachforelle Bild von Andreas Hartl

 

Der Geschmack hat uns enttäuscht. Trotz Riesling von Wirsching. Die Forellen schmeckten muffig. Verstehen konnten wir das zunächst nicht. Wie kann ein Fisch, dem ständig das allersauberste und frischeste, eiskalte Wasser zugeführt wird, muffig schmecken? Am nächsten Tag wurde es uns erklärt, als wir im Laden der Fischzucht-Familie Schwegel in Wüstenstein, Aufseßtal, standen. Die Fische müssen vor dem Verzehr noch einige Tage besonders gehältert werden.

 

Forellenzucht Aufseß

 

Warum das so ist, habe ich trotzdem zunächst nicht verstanden. Jetzt weiß ich es. Es ist die Menge der Fische, die gleichzeitig im Bassin schwimmt. Das gibt Verunreinigungen, trotz ständig durchfließendem kalten Wasser. Stellen Sie sich mal vor, Sie sind mit 50 Menschen in einem Raum und der Raum ist auch Toilette. Für den Rest müssen Sie Ihre Phantasie benutzen. Allerdings kommt da die Frage auf, warum die Fische im Waldviertel keinen unangenehmen Beigeschmack hatten.

 

Am nächsten Tag schauten wir uns den Zuchtbetrieb an und die Fahrt dorthin hat uns mit allen Komponenten sehr an das Waldviertel in Niederösterreich erinnert. Am Wasser trafen wir Tochter Anna, Fischzuchtmeisterin, bei der Karpfenernte.

 

 

 

Die Fischereirechte an der Wiesent sind überwiegend in privater Hand. Von Muggendorf aus sind es der Goldene Stern und die Pension Eberhard, die ihre Gäste ans Wasser lassen.

Ein Schäfer an der Aufseß, den wir trafen, als ich ein paar Fotos schoss, erzählte uns von der überragenden Kompetenz von Adele aus Muggendorf. Die Dame sei schon etwas betagt, aber sie freue sich jedesmal, wenn „Ihre“ Fischer wieder da seien.

 

Ich also hin zu Adele ins Wirtshaus Eberhard. Der Charme der fünfziger Jahre empfing mich und eine sehr freundliche alte Dame. Sie weiß wirklich alles über die Fische in der Wiesent. Die Fischereirechte hat sie nicht gepachtet, sie gehören ihr. Als ich von dem geschmacklichen Fiasko des Vortages erzählte, wurde sie aber sehr streng. Bachforellen anders als „blau“ zuzubereiten, sei ein großer Fehler. Der Eigengeschmack des feinen Fisches sei beim Braten sofort vernichtet. Mich beeindruckte diese Aussage sehr, weil ich sie nicht zum ersten Mal hörte. Ein Gourmetkoch in Freiburg/Breisgau hatte es abgelehnt, Bachforellen anders als "blau" zuzubereiten. Meinem Wunsch, ein Zimmer zu sehen, wollte Frau Adele nicht nachkommen. Sie wisse nicht, ob sie überhaupt neue Gäste wolle und ob ich ein Fliegenfischer sei. Peng. Da habe ich schon etwas herumgedruckst. Gleichwohl hat das Flaschenbier auf ihrer gemütlichen Terrasse geschmeckt. Aber untendurch bin ich wohl bei ihr, trotz aller Freundlichkeit.

 

Am Abend ging ich vom Goldenen Stern noch einmal an die Wiesent, es sind nur ca. 100 Meter und traf Angler, die an Adeles Wasser fischten. Sie kommen schon etliche Jahre und lieben das Haus und die Bemutterung von Adele. Das Uralt-Ambiente müsse man eben ertragen, es sei gar nicht so übel, wenn man sich daran gewöhnt habe.

 

Mir gingen einige Gedanken durch den Kopf. Sie haben nichts mit dem Hotel Eberhard zu tun. Aber mit den Erkenntnissen in diesen Tagen, die in einem Entschluss münden sollten.

Vorher sind wir noch einmal zu Familie Schwegel gefahren, um die bestellten frischen und geräucherten Fische in die Kühltasche zu packen.

 

Zuhause angekommen, galt es, den Fisch zu verwerten, solange er noch frisch war. Die roten Punkte waren deutlich zu sehen. Am ersten Tag nach der Ankunft gab es Forelle blau. Am dritten Tag wurden die restlichen beiden Fische aus der Verschweißung gelöst und mit reichlich Gartenkräutern in der Folie in den Backofen gelegt. Ergebnis: Auch hier ein (schwacher) Geschmack von Moder. Kein Vergleich mit dem Fisch aus dem Waldviertel. Mein Bruder, dem ich zwei Fische abgegeben habe, stellte das nicht fest.

 

Forellen aus der Fischzucht Schwegel im Aufseßtal

 

Bachforellen aus der Zucht sind also für mich nicht das Optimale. Sie sollten schon direkt aus dem Wildbach kommen. Muss ich sie eben selber fangen. Das ist im Prinzip kein Problem, den Fischereischein habe ich schon sehr lange. Es hapert nur an der Technik und an dem richtigen Gewässer.

 

So musste ich also etwas tun, um meinen Vorsatz zu realisieren. Eine Forelle zu fangen, die sich etliche Zeit der natürlichen Nahrungsquellen ihres Baches bedient hat. Vor langen Jahren habe ich auch schon mal einen „Trockenkurs“ für Fliegenangel-Werfen in Düsseldorf gemacht, aber das Gelernte niemals angewendet. Als ich mich nun für den nächsten Kurs an der Rur (wohlgemerkt ohne „h“) anmelden wollte, hatte ich den Anmeldeschluss verpasst. Aber Herr Werner Berens, bekannter Fliegenfischer und Autor war bereit, mir Privatunterricht zu geben.

 

 

Werner Berens an der Rur

 

Ich muss zugeben, die stundenlangen Wurfübungen haben mich an den Rand der Erschöpfung gebracht. Als mir Werner Berens anbot, anschließend das Erlernte an einer fischreichen Stelle direkt anzuwenden, musste ich passen. Wir vereinbarten ein späteres Treffen, dazu ist es allerdings nie gekommen.

Zuhause habe ich dann noch etliche Male auf einem freien Platz trainiert. Die Leute müssen gedacht haben, da angelt ein Verrückter ohne Wasser.

 

Die Art und Weise, wie die Fliegenschnur auf dem Wasser abgelegt wird, zeigt viel Eleganz und Ästhetik. Die Hauptschnur wird dabei einige Male hinter den Kopf (Ein Uhr) Richtung Wasser und zurück geschwungen, wobei sie immer länger wird. Ist sie dem Fischer lang genug, landet er die Vorschnur an der gewünschten Stelle. Dabei gibt es mehrere Wurfvarianten. Nachlesen kann man die Grundlagen des Fliegenfischens über den Nachstehenden Link, besser könnte ich es nicht beschreiben.

 

https://www.deine-angelwelt.de/angelmethoden/fliegenfischen/

 

 

 

Es ist später mehrfach vorgekommen, dass mir vorbei kommende Wanderer eine Weile beim Werfen am Fluss zugesehen haben. Ich muss wohl ziemlich elegant gewirkt haben.

 

Wer wissen will, wie man in der schönen Natur erfolglos angelt, mag hier rein schauen:

 

Ich bin ein Experte darin.

 

 

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Wiesent-Waischenfeld/ 

 

 

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