Wiesent Waischenfeld

 

Wiesent zwei 2013

 

Nun stand die Zeit der Anwendung des Erlernten bevor. Dafür braucht man zunächst mal den geeigneten Ort und das geeignete Quartier. Ein Hotel wollten wir nicht mehr. Es sollte eine Ferienwohnung direkt am Wasser sein.

 

Die Gemeinde Waischenfeld vergibt Angellizenzen an ihre Feriengäste. Ich buchte vom 17.06. bis 23.06. eine Ferienwohnung bei der Familie Schrüfer in Heroldsberg-Tal, einem Ortsteil von Waischenfeld. Balkon mit Blickentfernung zur Wiesent cirka 200 m. Eigentlich ideal. Aber als wir eingezogen waren, erfuhren wir, dass dieser Streckenabschnitt nicht der Gemeinde gehört, sondern der Hammermühle. Der Besitzer der Hammermühle würde sich ins eigene finanzielle Fleisch schneiden, wenn er Lizenzen an Gäste anderer Vermieter abgeben würde. Folgerichtig tut er es auch nicht. Also war es nix damit, zu Fuß zum Angeln zu gehen. Dafür musste ich in den Ort hinein. Herr Schrüfer brachte mich zunächst an die Ausgabestelle für den Fischerei-Erlaubnisschein. Nicht im Rathaus, nein auf dem Campingplatz.

 

Michael Sanna an der Wiesent

 

Mir war klar, dass ich mit den bei Werner Berens erlernten Grundkenntnissen am Wasser nicht reüssieren würde. Dafür würde ich schon einen ortskundigen Fliegenangler als Begleiter benötigen. Ich fand ihn in Michael Sanna, der im Goldenen Stern zu Muggendorf eine Fliegenfischerschule betreibt.

 

Wir trafen uns am 18.06. im Goldenen Stern. In Waischenfeld bräuchte ich keinen Coach, meinte Michael Sanna, dort seien die Verhältnisse einfach.

Ich bin aber im Nachhinein sehr froh, dass ich sein Angebot von 6 Stunden Fischbegleitung angenommen habe. Seine Hinweise bezüglich Material, Wurftechnik und Köderführung am Wasser waren außerordentlich hilfreich und haben mich enorm weitergebracht. So gewann ich auch etwas Lockerheit beim Wurf mit abgewinkeltem Wurfarm (nicht an den Körper klemmen). Die von mir angebundene „Maifliege“ tauschte er ersteinmal gegen eine andere aus meinem Sortiment aus.

 

 

Es war ein heißer Tag. Mehr als 30 Grad Celsius. Deswegen fingen wir in der Mittagszeit nichts, wobei ich überzeugt bin, dass mein Mentor wohl erfolgreich gewesen wäre, wenn er mich nicht am Hals gehabt hätte. Zeitweise dachte ich wirklich, er kennt jeden einzelnen Fisch. Um 13 Uhr machten wir Pause. Sein Angebot, es in den Abendstunden noch einmal zu versuchen, habe ich nicht angenommen, weil ich einfach selber ausreichend hitzebedingte Regeneration brauchte.

 

http://www.fliegenfischerschule-fraenkische-schweiz.de/

 

Leider hat mir Michael Sanna auch eine große Illusion genommen. Am Ende der Maifliegenzeit seien die Forellen derart fett und vollgefressen, dass sie kein kulinarisches Erlebnis mehr seien. Das klingt plausibel. Schätze, die Maifliegen sehen mich nicht wieder. Vielleicht sind die Forellen im September wieder schlank und hungrig.

 

In den Abendstunden bin ich dann  in Waischenfeld doch noch einmal ans Wasser gegangen und zwar ohne Begleitung. Einwurf, Patsch, Biss und schon war die Fliege weg. Die andere mit fängigem Muster verlor ich beim Ausholen in der nächsten Stunde. So musste ich zwangsläufig aus meinem Sortiment eine Maifliege, die etwas anders aussah, anbinden.

 

Mittwoch und Donnerstag glühte die Luft bei gleichbleibenden Temperaturen weiter, aber abends stiegen die Forellen. Bisse kamen nur zaghaft. Eigentlich machte ich nach eigener Einschätzung alles richtig, die Würfe kamen, der Schwung war gut. Werner Berens wäre stolz auf mich gewesen.

 

Zurück in der Wohnung traf ich Herrn Schrüfer. Er schaute sich die angebundene Fliege an und gab mir dann eine aus seinem Kasten, die denen zur Zeit in der Luft und auf dem Wasser befindlichen sehr stark ähnlich war.

 

Über Nacht kamen Starkgewitter auf und am nächsten Morgen war an Angeln nicht zu denken. Die braunen Fluten veränderten den Fluss zu sehr.

 

So kam der Tag der Abreise und am Morgen habe ich es dann noch einmal versucht und stand um fünf Uhr am Wasser, das an dieser Stelle vermutlich vorwiegend mit Äschen besetzt war. Dies schloss ich aus den zaghaften Bissversuchen, zupacken, loslassen. So wechselte ich kurz den Standort, von der Fliege, die mir Herr Schrüfer überlassen hatte, war ich aber überzeugt.

 

So dachte ich, als mir wieder einmal ein fast perfekter Wurf von der Marke Berens/Sanna gelang (Wurf in die Bachmitte, die Schnur liegt, die Fliege legt sich langsam aufs Wasser), eigentlich müsste jetzt schon mal eine stattliche Bachforelle anbeißen.

 

An der Wiesent in Waischenfeld, Schauplatz der Niederlage ohne Zeugen

 

Sie tat es. Ich sah die Punkte. Von da ab machte ich alles richtig. Hielt die Wurfleine fest, holte sie langsam heran und die Rute bog sich durch. Mein Gott, die kämpft ja wie ein Karpfen, dachte ich. Das war ich von einer Forelle absolut nicht gewohnt. Ein Blick auf meinen kurzen Kescher zeigte mir, dass ich wohl damit nicht zurecht kommen würde und ich vermisste nun meinen Riesenkescher mit langem Stiel. Bei der Abwägung, was ich nun weiter tun sollte, fiel mir mein Freund Gonzalo (Spitzname Kojote) aus Galizien ein. Er holt seine Forellen mit einem Schwung an Land. (Bei einem Karpfen ist er in meinem Beisein mit dieser Technik gescheitert, er hat es dann nie wieder getan). Hätte es auch nicht machen sollen.

 

Nun, von da ab machte ich nichts mehr richtig. Besser wäre wohl gewesen, die Forelle bis zu deren Müdigkeit auszudrillen um sie dann in die Nähe des Keschers zu ziehen.

 

Ungeduld und Besorgnis, der Fisch könne sich abhaken, kam über mich. Hatte ja vorschriftsmäßig keinen Widerhaken. Also Schwung nehmen und rausziehen nach Gonzalo-Manier. Peng, Fisch und Fliege weg. Vorfach an der Fliege gerissen.

 

Glauben Sie mir, in diesem Moment fühlte ich mich wie ein Lottogewinner, der den Schein nicht abgegeben hat. Meinen Freunden habe ich, nachdem ich die Fassung wieder gewonnen hatte, folgendes Email geschickt:

 

Die Wiesent ist ein schöner Fluss
den man gesehen haben muss.
ich wollte die Forellen keschern
doch sie entkommen allen Häschern
wenn die die falschen Fliegen haben
da braucht man gar nicht lange klagen.
Und als die Fliege richtig war
hat sie gebissen. Sonderbar.
Doch ist sie schon ein schlaues Tier
sie hat gekämpft. Und meine Gier
den Kescher endlich voll zu kriegen
dass sich die ganzen Maschen biegen
das war der Fehler, so ein Mist
was so ein dummer Angler ist.

Die Leine ist dann abgerissen
anschließend konnt ich mich ver.....

 

 

Herr Schrüfer hat mir Trost gespendet und mir eine Maifliege geschenkt, die von einer Künstlerin stammt. Das hat mich sehr gerührt. Er hat sie lange Jahre in Ehren gehalten. Es ist nun für mich eine Ehre. Weiß nicht, ob ich ihr würdig bin. Sie ist so schön, dass sie eigentlich zum Angeln zu schade ist. Sie bekommt einen Ehrenplatz.

 

 

 

Was hatte das für Folgen? Gewaltige. Ich habe nämlich noch keine selbst gefangene Bachforelle in die Pfanne gebracht. Muss ich es also weiter versuchen. Wenn der heilige Veit von Staffelstein es zulässt.

 

Heinz Elflein

26.06.2013

 

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