Soderla Söderla

 

 

Dass ich jemals über Dr. Markus Söder schreiben würde, wäre mir niemals früher in den Sinn gekommen. Höchstens wenn es kulinarisch-fränkische Berührungspunkte gegeben hätte. Was ja nicht auszuschließen ist, weil der Herr Doktor der Rechtswissenschaften ja in Nemberch lebt, wo es mich gelegentlich auch gerne hinzieht. Hätte durchaus sein können, dass wir uns bei Rottner getroffen hätten. Nicht vorsätzlich, aber vielleicht zufällig. Markus Söder, aufgewachsen in Schweinau, wird wissen, welches Kleinod fränkischer Esskultur sich an der Südwesttangente befindet.

 

Er ist nicht der erste Politiker aus Nemberch, der meine Zeilen ertragen muss. Vor einigen Jahren hatte ich schon mal brieflichen Kontakt – von mir inszeniert - mit dem Berchermaster von Nemberch, da ging es aber nur um die Größe der Broatwerscht und warum Ansbach statt Nemberch mittelfränkische Hauptstadt ist. Immerhin hat Herr Dr. Ulrich Maly sehr freundlich geantwortet. Was CSU-Politiker nicht nötig haben. Klar, wenn die Argumente fehlen.

 

Nein, der Anlass war der Politische Aschermittwoch 2018 der CSU in Passau. Da hat Markus Söder Bemerkenswertes von sich gegeben. Was mich veranlasst hat, diesen Kommentar zu verfassen und so nebenbei diese Internetseite um eine politische Ecke zu erweitern.

 

Zitat von „SZ.de“

 

Als Söder unter großem Applaus und Getöse angekündigt wird, stimmt die Passauer Stadtmusikkapelle den bayerischen Defiliermarsch an, jenes Stück also, das eigentlich dem amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten vorbehalten ist. Der angehende Ministerpräsident kennt die Etikette und erkennt den Verstoß dagegen - "aber ich komme emotional damit zurecht".“

 

Mich amüsiert dies etwas. Weil der bayerische Defiliermarsch von einem Mittelfranken aus Neustadt/Aisch komponiert wurde. Im Jahre 1850 von Adolf Scherzer zu Ingolstadt in Oberbayern, von wo man leicht mal eben zu Fuß nach Mittelfranken laufen kann. Glaube ich, probiert habe ich es noch nicht. Aber inzwischen recherchiert: Nach Greding sind es von Ingolstadt aus 36 km.

 

Markus Söder kennt sich im Fasching aus. Aber seine Bemerkung in Richtung Änderung des Grundgesetzes war keine Büttenrede, auch wenn er sie am Tage des Faschingsausklangs gemacht hat. Ich halte sie für gewichtig und bin gespannt, ob er den Gedanken weiter verfolgen wird. Zitat:

 

Er habe die Verfassung genau studiert, "ein klares Bekenntnis zu der christlich-abendländischen Prägung gibt es derzeit nicht. Ich finde, wir sollten unsere Verfassung ergänzen, dass diese Prägung auch in der Zukunft erhalten werden soll". Sein konkreter Vorschlag ist, in allen staatlichen Gebäuden Kreuze aufzuhängen.

 

Um das Grundgesetz zu ändern, braucht man sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat eine Zweidrittelmehrheit. Das weiß der Jurist Söder natürlich. Von daher ist nicht anzunehmen, dass er seine Parteifreunde animieren wird, die Grundgesetzänderung anzustoßen. Aber um die Stimmung im Saal anzuheizen, macht sich sowas gut. Man kann natürlich darüber diskutieren, es würde aber an dieser Stelle zu weit führen. Mag aber meine gewisse Sympathie für die Idee, wieder Kreuze in staatlichen Gebäuden aufzuhängen, nicht verleugnen. Das Grundgesetz braucht man dafür nicht ändern. Wenn Markus Söder Ministerpräsident ist, kann er es anordnen. Für Bayern.

 

Hier aber noch ein kleiner Schlusspunkt zu seinem Auftritt. Zitat:

 

Für Söder ist dieser Aschermittwoch so etwas wie die Inthronisation.“

 

Inzwischen spricht Söder aber sehr viel über Emotionen und Gefühle: "Heimat ist nicht nur Gefühlsduselei, sondern der seelische Anker, den jeder braucht", sagt er etwa.“

 

Er scheint in der Bevölkerung eine gefühlte Gefahr durch fremde Kulturen wahrzunehmen: "Burkas sind kein modisches Accessoire, sondern gesellschaftliche Ausgrenzung", sagt er. Und natürlich weiß Söder um die Schwierigkeiten bei der Integration ohne Sprachkenntnisse: "Wer hier leben will, muss Deutsch können, wenn er besonders begabt ist, Bairisch verstehen und für die besonderen Feinschmecker auch noch Fränkisch."

 

Was die bairisch-fränkischen Sprachkenntnisse in diesem Absatz betrifft, halte ich dies für reinen Humor, den man Söder nicht absprechen sollte. Vermute nur, dass die versammelten Lederhosenträger das ernst nehmen. Nördlich des Mains wird man diesen Spruch nicht mögen. Muss man aber auch nicht. Markus Söder wird das auch peripher nicht tangieren.

 

Kommen wir nun dem Stichwort „Inthronisation“. Was der zweite Grund ist, weswegen ich diese Rubrik eröffnet habe. Wie ich ja schon erwähnte, ist er Doktor der Rechtswissenschaften und wird demnächst mit allergrößter Wahrscheinlichkeit Bayerischer Ministerpräsident sein.

 

Was nun die Justiz in Bayern anbetrifft, ist diese nicht gerade Vorbild an Verfassungstreue. Ich nehme mir hiermit heraus, in dieser ganzen Deutlichkeit zu sagen, sie ist in weiten Teilen eher versaut und verkommen. Weil man dort mit der richterlichen Unabhängigkeit manchmal so umgeht, als wäre es jedem Juristenhansel überlassen, wie man die Verfassung interpretiert. Etliche Juristen in Bajuwarien haben da etwas mistverstanden. Korpsgeist steht ganz oben. Man schützt sich gegenseitig für begangenen Bockmist. Es gibt Leute, die sprechen und schreiben von "Verbrechen im Amt". Als ich vor einigen Monaten das komplette bayerische Kabinett in einem konkreten Fall angeschrieben habe, jeden von ihnen einzeln, einschließlich Markus Söder, habe ich nur eine einzige Antwort erhalten. Von Söder kam sie nicht. War ja nicht sein Ressort und wieso sollte er aufmucken, für etwas, was ihm nichts bringt. Und damit auch noch gegen Seehofer anstinken. Der ja immerhin der Hauptverantwortliche war und auch noch eine Weile ist.

 

Wenn aber Markus Söder demnächst selber Chef in Bayern ist, kann er ja einiges bewirken, dachte ich mit meiner ganzen gesammelten Blauäugigkeit und habe ihm den Brief geschrieben, der hier auf dieser Seite als PDF-Datei heruntergeladen werden kann.

 

Geantwortet hat er natürlich nicht. 

 

Dann bleibt uns nur noch abzuwarten, ob Markus Söder die Vorschusslorbeeren verdienen wird, die man ihm in Bayern gerne einräumt.

 

Übrigens, noch ein kleiner Gag. In der Berichterstattung der Rheinischen Post, die ich heute über die Passauer Veranstaltung gelesen habe, stand, es sei vermutlich ein Segen für Seehofer gewesen, dass er mit Grippe im Bett lag. Damit brauchte er nicht teilzunehmen. Tusch.

 

Und bei den Veranstaltern der CSU war niemand so helle, deswegen den bayerischen Defiliermarsch zu streichen. Das ist nun aber von mir.

 

Heinz Elflein

15.02.2018

 

 

 

 

Brief an Söder.pdf
PDF-Dokument [23.4 KB]

 

Wie zu erwarten war, hat Markus Söder ordentlich aufgeräumt in seiner Ministerriege. Will da nicht näher darauf eingehen. Nur in einem Punkt Kritik üben. Der ehrenwerte Minister Bausback, zuständig für die Justiz und damit auch für die Schweinereien der letzten Jahre, darf weiter machen. Ein Zeichen für mich, dass Markus Söder das entweder nicht erkannt hat oder dass es ihm egal ist. Vielleicht will er dem Pausbäckigen auch ermöglichen, endlich zu korrigieren, was im Freistaat widerwärtigerweise vor sich geht. Ein ehemaliger Polizeibeamter aus Stuttgart, der entsprechende Nachweise hat, könnte gut dabei helfen. Allerdings fehlt mir der Glaube an diese Variante, was natürlich zur Folge hat, dass sich Markus Söder meines Erachtens seinen ersten großen Minuspunkt eingehandelt hat.

 

Übrigens, die Frau Ministerin aus Seehofers Kabinett, die mir damals tatsächlich, wenn auch belanglos, geantwortet hat (siehe oben), ist nun von Markus Söder entlassen worden. Das hat sie nun davon. Mir wäre lieber gewesen, es hätte ihren Nachfolger getroffen, aber das schrieb ich ja schon 12 Zeilen höher.

 

Heinz Elflein

24.03.2018

 

Söder zeigt Muskeln

 

 

Aus t-online:

 

http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_83626580/soeders-staat-zeigt-seine-muskeln.html

 

Klingt im Prinzip gar nicht mal so schlecht. Gebe zu, einiges gefällt mir.

 

Aber das hier garnicht:

 

Dass einige unter die Räder geraten werden – weil sie als Muslime per se für fremd erklärt werden; weil sie Opfer präventiver Polizeimaßnahmen unter dem neuen weitreichenden Polizeigesetz werden; oder weil sie als psychisch Kranke unter dem geplanten Psychiatriegesetz präventiv weggesperrt werden können wie Straftäter.

 

Davor sollte man Angst haben. Denn wer garantiert, dass man nicht in diese Mühle gerät. Braucht sich nur bei einem Justiz-Psychopathen unbeliebt gemacht haben. Erdogan lässt grüßen.

Ich muss für mich als geborener Franke dazu sagen, unter diesen Umständen möchte ich nicht mehr in Bayern leben.

 

Heinz Elflein

18.04.2018

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