Zehntkeller Iphofen

 

 

Nach Iphofen fahren wir immer sehr gerne. Auch wenn es von Neuss am Rhein etwa vier Stunden dauert. Geht vielleicht schneller, wenn man auf das Pedal drückt, keinen Stau hat und eine andere Route nimmt. Wir fahren immer in Randersacker von der Autobahn ab und zunächst die B13 am Main entlang, durch die Orte Eibelstadt und Sommerhausen. Wohlgemerkt hindurch und nicht vorbei. Weil wir den fränkischen Touch langsam aufnehmen wollen. Bei Ochsenfurt verlassen wir die B13 vor der Mainbrücke und fahren links über Frickenhausen, Segnitz, Sulzfeld. In Kitzingen überqueren wir den Main Richtung Osten, passieren Mainbernheim und sind dann in Iphofen.

 

Wer den Ort nicht kennt und an der B8 schnöde an ihm vorbei fährt, weiß nicht, welches Kleinod er versäumt. Was mittelalterliche Kultur und Ambiente und Weinanbau betrifft.

 

In Iphofen gibt es etliche Weingüter, bei denen wir Kunde sind oder waren. Es gibt auch einige Hotels, in denen wir gerne übernachtet haben. Das größte und bekannteste am Ort ist der Zehntkeller. Inzwischen ein Romantikhotel. Mit Übernachtungspreisen, wie sie in Franken kaum noch getoppt werden. Aber irgendwie ist der Zehntkeller seine Preise wert. Es ist schon etwas Besonderes, in den alten Mauern zu wohnen und dort zu speisen.

 

Es gibt auch eine besondere menschliche Beziehung zwischen unserer Familie und der Familie Seufert. Genauer genommen zwischen meinem Vater und Fritz Seufert, dem Onkel des jetzigen Besitzers. Beide waren als Kriegsgefangene im gleichen Lager in Russland. Fritz Seufert war körperlich in einem sehr schlechten Zustand. Die übrigen Kameraden waren richtige Kameraden, sie haben ihre Essensrationen mit ihm geteilt, um ihn wieder aufzupäppeln. So kam es, dass sowohl mein Vater, wie auch Fritz Seufert wieder zurück nach Deutschland kamen. Darüber gäbe es noch sehr viel zu erzählen. Passt aber nicht in dieses Thema.

 

Wenn wir in den 60ziger Jahren Urlaub in unserem früheren Wohnort Windsheim -Geburtsort meiner Mutter und mir – machten, fuhren wir auch gerne mal hinüber nach Iphofen und besuchten den Kellermeister Fritz Seufert im Zehntkeller. Dann wurde uns dort ein Glas Silvaner serviert und ich machte meine erste Bekanntschaft mit dem Iphöfer Wein. Inzwischen sind alle Beteiligten verstorben. Fritz Seufert, sein Bruder, dessen Frau und mein Vater.

 

Beginnend mit Mitte der 70ziger Jahre fuhr dann ich mit meiner Frau immer wieder mal nach Iphofen und wir erlebten dort schöne Zeiten. In bleibender Erinnerung sind uns die Tage, wo wir es außerordentlich genossen, im Zehntkeller zu residieren und dort zu tafeln.

In diesem Jahr haben wir uns für den September wieder im Zehntkeller angemeldet. Ich werde diesen Artikel fortführen, wenn wir da gewesen sind.

 

Heinz Elflein

19.08.2017

 

 

Am 17.09.2017, gegen 14 Uhr, fuhren wir in den Hof ein und trauten unseren Augen kaum. Der Hof stand voller Mercedes-Oldtimer. Da traute ich mich kaum, mit meinem Modell von 2011 daneben zu parken. Fuhr dann mit unserem C 180 bescheiden in die Ecke.

 

Wir haben uns – aller Kosten zum Trotz, wie oft kommen wir noch hier hin ? - eine Suite gegönnt. Sie liegt in der ehemaligen alten Kelterei auf dem Hof. Bestehend aus einem Schlafzimmer und einem Wohnbereich, einem Riesen-Badezimmer mit Riesen-Spiegel, Badewanne und Riesen-Dusche. Das WC hängt auf Kinderhöhe, schlecht für ältere Leute mit Knie-Problemen.

 

 

Um 18 Uhr sind wir im Restaurant. Sehr freundliches Personal. Gezapftes Bier gibt es leider nicht. Aber eine positive Überraschung für mich als Glyphosat-Bekämpfer. Das Weingut ist seit etlichen Jahren Bio.

 

Wir essen:

 

Geschäumtes Hummersüppchen mit gegrillter Jakobsmuschel:

Note 1,

 

Kalbsbries in Nussbutter gebraten mit Lorbeerjus und weißem Zwiebelragout,

leider nur Note 4,

 

Filetspitzen in Pfifferlingsrahm mit Spätzle:

Note 2,

 

Perlhuhnbrust mit Ratatuille und Garnelen:

Note 2,

 

Dazu einen Silvaner und einen Spätburgunder Kronsberg von 1912.

 

 

 

Und hier nachträglich die Verkostungsnotizen, von einem Weinsachverständigen, der mein Bruder ist. Ihm hatte ich zwei Flaschen mitgebracht:

 

2015er Iphöfer Julius-Echter-Berg
Silvaner Spätlese trocken
A.P. 5029-032-16
13.5%

Volles Zitrusgelb mit strohgelbem Touch. Sortentypisches Silvanerbukett nach Melone und grünem Apfel. Auf der Zunge noch ein wenig unruhig, spürbare Kohlensäure. Üppige Melonenaromatik, würzig, harmonische Säure, sehr gute Länge. Prototypischer Gips-Keuper-Silvaner. 2018-2022.

15,5 von 20 Punkten

***

 

2012er Iphöfer Kalb
Spätburgunder trocken
A.P. 5029-039-14
12.5%


Leicht transparentes Rubinrot. Molliger Duft nach Schattenmorelle und Süßkirsche. Druckvoller Auftakt im Mund, verliert jedoch früh an Ausdruck und schwächelt hinsichtlich Länge und Tiefe. Dabei sind durchaus Ambitionen erkennbar, allerdings mangelt es an Substanz. Gefällig dank sehr feinem, etwas grobkörnigem Tannin. Bis 2020.

13,5 von 20 Punkten

 

Das liest sich wirklich professionell. Ich muss dazu sagen, so viel Ahnung von Wein habe ich selber nicht. Ich weiß nur, ob uns der Wein geschmeckt hat oder nicht. Er hat uns geschmeckt und deshalb würde ich ihn jederzeit wieder trinken.

 

Heinz Elflein

14.04.2018

 

Perlhuhnbrust

 

18.9.

 

Zunächst beginnt der Tag mit einem Frühstück in gediegenen Räumen.

 

 

 

 

Das Wetter ist uns hold und wir nutzen es, um durch die Weinberge zu fahren. Am Schwanberg sehe ich mir die Rebzeilen sehr genau an.

 

 

Abendessen Zehntkeller:

 

Rahmsuppe von Steinpilzen mit gebratenen Wachtelbrüstchen,

Note 2

 

Gesottene Kalbszunge mit Estragon.Senf-Sauce, Wurzelgemüße und Bandnudeln,

hat Marianne nicht geschmeckt

 

Rücken vom Steigerwälder Rehbock mit Pistazien-Honig-Haube, Balsamico-Zwetschgen und Sellerie-Pürree,

sehr gut

 

 

Rücken vom Steigerwälder Rehbock

 

Resümee Zehntkeller: Sehr freundliches Personal. Gepflegtes Hotel, Spitzenküche. Was mir fehlte: Ein Kühlschrank in Zimmernähe, um vor dem Schlafen noch ein Bier zu trinken oder einen Spätschoppen zu nehmen. Wellness-Schnick-Schnack haben wir nicht vermisst. Wäre wohl auch in diesem Hause fehl am Platze.

 

Der Zehntkeller ist nicht nur eine Übernachtungsmöglichkeit und er ist nicht nur ein Restaurant. Der Zehntkeller ist vor allem eine Philosophie. Diese heißt: Gepflegte fränkische Romantik, die sich im Wohnen, Schlafen und Dinieren ausdrückt. Dass dies als Familienbetrieb in die nächste Generation geht, scheint gesichert, wie uns bestätigt wurde. Wir wünschen der Familie Seufert viel Glück für die nächsten Jahrzehnte.

 

Wir verließen den Zehnkeller voll zufrieden am 19.9. um Romantisches in Mittelfranken zu erleben. Wer noch nie in der Gegend war, sollte mindestens drei Nächte bleiben, um Land und Leute, sowie die fränkische Mentalität etwas kennen zu lernen. Auch für eine ganze Woche gibt es durchaus genügend Erlebniswertes. Ich könnte ganze Bücher darüber schreiben. Übrigens, die Mercedes-Leute waren Menschen wie Du und ich. Sie hätten sich nicht gescheut, uns für eine Fahrt nach Weikersheim in Schlepptau zu nehmen, was wir allerdings dankend abgelehnt haben.

Wir hatten ja schon unser nächstes Ziel in Franken. Schauen Sie doch mal hier:

Zum-Falken-Tauberzell

 

Heinz Elflein

04.10.2017

 

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