Bratwurstmanipulateure

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Die Bratwurstmanipulateure

 

Wenn die fränkische Bratwurst besonders „gut gewürzt“ ist, sodass sie für mich schon überwürzt versalzen schmeckt, weiß ich: Schon wieder mal etwas drin, was nicht rein gehört.

Ich habe ja schon Ende des letzten Jahrhunderts darüber berichtet, aber die Unsitte der Bratwurstfälscherei setzt sich anscheinend fort.

 

Seinerzeit war es ein Metzger aus einem westlichen Fürther Ortsteil, von dem ich mir die Bratwurst per Paket habe schicken lassen. Unser Tester, Metzger Löffler aus Neuss: „Altes Fleisch, Geschmacksverstärker“. Metzger-Meyer aus Nürnberg, seines Zeichens auch von der Fleischer-Innung, hat uns bestätigt, dass Geschmacksverstärker nicht in die Wurst gehören. Jetzt beschickt uns Metzger Meyer.

 

Dann war es ein bekanntes Wirtshaus mit Metzgerei in Leonrod, wo wir wirklich gerne hingefahren sind, weil es so fränkisch-urig ist. Die Tochter des Hauses, die wir als Servicekraft im Romantikhotel Rottner Nürnberg kennengelernt hatten, gab es zu: „Obber net viel“. Weil wir aber die Fränkische-Bratwurst nur original akzeptieren, haben wir nicht mehr gekauft und fahren auch nicht mehr nach Leonrod.

 

Wie wohlschmeckend war doch die Bratwurst, die wir hier gegessen oder gekauft haben: Gasthof zum Storchen Bad Windsheim (der Seniorchef macht sie leider nicht mehr), Metzger Seemann in Bad Windsheim (der leider allzufrüh in den Ruhestand gegangen ist), Gasthaus zur Stadt Bad Windsheim und Gasthof zum Stern auf der Frankenhöhe, beide ganz hervorragend selbst gemacht, vom Bratwurstkönig Jens Hoferer in Sugenheim oder vom Gasthof zum Kreuz in Virnsberg. Und natürlich von Lars Zwick vom Landhaus zum Falken in Tauberzell. Neuerdings auch beim Genusswerk im Kurpark von Bad Windsheim.

 

Wir reden natürlich darüber mit unseren fränkischen Verwandten. Mein Cousin aus Nürnberg erzählte mir von dem Metzger auf halbem Weg nachhause, wo er immer einkauft, wenn er von seiner „Datscha“ im Wald bei Oberntief zurück fährt. Der Nonplusultra-Metzger mit dem selbstgemachten Superschinken.

 

Das wollten wir natürlich ausprobieren, weil ich es nicht leiden kann, wenn jemand bessere Bratwürste kauft, als ich selber. Und wenn es ein Cousin ist. Nun, der Schinken war gut, aber normalerweise macht jeder Metzger seinen Schinken selber. Was nicht abwertend gemeint ist.

 

Die mitgebrachten Bratwürste landeten in Mariannes Pfanne und auf meinem Holzkohlengrill. Mit dem gleichen Geschmackserlebnis. Super gut gewürzt. Überwürzt. Versalzen. Kann nur wieder was drin sein, was nicht reingehört.

Metzger Löffler hat es mir bestätigt, hat mir auch gesagt, was drin ist.

 

Ich schreibe diesen Beitrag mit einer gelinden Wut im Bauch. Was denken sich diese Geschäftemacher? Wie dämlich sind ihre Kunden? Was kann man dagegen tun?

 

Offenbar nichts, weil die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen nicht verletzt sind. Guter Geschmack und Tradition sind gesetzlich nicht geschützt.

 

Aber ich kann darüber schreiben und meine Leser informieren. Was ich hiermit tue. Bei einem Metzger im Aischgrund bin ich mir nicht ganz sicher. Gut gewürzt sollte ja nicht automatisch ein Verdachtskriterium sein. Bei Metzger Löffler in Neuss kaufe ich ein, wenn mein mitgebrachter original-fränkischer Vorrat zu Ende geht. Sie sind nur etwas zu lang, weil das Maß des Mannes bei ihm etwas überdimensioniert ist. Schmecken aber wie original. Er mischt noch etwas Piment hinzu, was ich akzeptiere. Ansonsten kein Geschmacksverstärker und damit stellt er manchen fränggischen Wurstpanscher für mich ins Abseits.

 

Zum Abschluss möchte ich diesen Beitrag mit einem angepassten, feinen Spruch feiner Leute aus Bajuwarien krönen, der meine ganze Verachtung zeigt:

 

Scheissglumpvarecktsaaleckstmisollfressnwermochinet

 

Mein Cousin kauft nun auch nicht mehr bei dem Metzger auf halbem Weg nach Nürnberg, den er mir empfohlen hat.

 

Heinz Elflein

03.10.2021

 

 

Kommentare meiner Leser:

 

mein Cousin Werner:

Betreff der Bratwürste muss ich dir mehr als zustimmen.Wir kaufen bei diesem Metzger keine Lebensmittel mehr ein.Auch anderes ist jetzt ungenießbar geworden. Haben jedoch schon beim Vorbeifahren festgestellt, sein   Parkplatz wie der Laden ist wie ausgestorben.
Kaum noch Kunden.

 

Hallo Werner:

bezüglich dem "anderen" müsstest Du etwas konkreter werden. Die Wahrnehmung beim Vorbeifahren ist nicht repräsentativ.

 

Ein Landtagsabgeordneter:

Ich kann das gut verstehen und moralisch unterstützen. Ich kaufe auch nur noch dort, wo ich glaube, dass nur natürliche Zutaten und Handwerk eingesetzt wird. Weiter so!

 

Ein bekannter Gastronom:

... gute Bratwürste zu bekommen wird immer schwieriger. 

 

Wenn Sie wieder einmal im Lande sind, probieren Sie die Würste von Thomas Wenig - Lenkersheim. Gasthaus Schwarzer Adler. Oft hat er nicht mehr auf. Aber die Wurst schmeckt - mir zumindest....Und man weiss wo das Schwein herkommt - aus seinem Stall

 

Vielen Dank, ich werde mir das notieren.

 

 

 

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