Natur aus Nordheim

 

Wenn wir in den letzten Jahrzehnten am Main entlang fuhren, habe ich unseren Pkw immer gerne hinein nach Nordheim gelenkt. Bevor wir mit der Fähre nach Escherndorf übersetzten.Wegen dem Lump. Nordheim hat aber auch seine Reize. In der „Sonne“ haben wir gut gegessen. Aus dem Vorsatz, wieder zu kommen, ist leider nichts geworden, weil nicht alle guten Lokale gleichzeitig besucht werden können. Fast überall, wo wir aufkreuzten, gab es aber „Nordheimer Vögelein“. Der Lagenname „Vögelein“ ist ursprünglich eigentlich ein wendisches Wort und hat etwas mit Holzkohle und der Vogelsburg auf der anderen Mainseite zu tun. Ich hoffe, dass die Nordheimer Winzer genug echte Kohle – natürlich in Papierform - mit ihren Vogelweinen machen.

 

 

 

Inzwischen hatten wir auch ein paar Vogelweine in unserem Keller. Geschickt von Glaser-Himmelstoss. Sie waren ratzfatz ausgetrunken. Den Anlass, bei Glaser-Himmelstoss zu bestellen, gab uns ein middlfränggischer Weinkenner-Doktor. Nach einem Gespräch zwischen Herrn Glaser und mir sowie einem Artikel in der FAZ, waren wir von den Sorgen, der Wein könne die Kriterien meiner Positiv-Liste nicht erfüllen, befreit.

 

 

Die Fähre zum Lumpenwein nutzen wir nur noch, um entlang der Mainschleife weiter zu fahren. Warum, können Sie sich denken.

 

Damit komme ich zum Hauptthema dieses Beitrags.Es geht um „Naturwein“ und in diesen Tagen habe ich etwas dazu gelernt. „Biowein“ ist nicht automatisch „Naturwein“.

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwein

 

https://www.weinhalle.de/weinarten/naturwein.html

 

Naturwein“ ist aber offenbar auch nicht unbedingt das Non Plus Ultra der „Bioweine“. Es gibt Scharlatane. Man braucht also sachkundige Beratung. Wie gut, dass ich unter dem Angebot der Weinhalle für Naturweine Winzer gefunden habe, die bereits auf meiner Liste der glyphosatfreien Winzer stehen. Drei davon sind in Nordheim.

 

 

Er macht den Wein nicht in Fässern. Manfred Rothe macht ihn in der Erde, in eingebuddelten Amphoren.

Die Auswahl unserer Weine spiegelt die typische Rebsortenvielfalt Frankens wieder.

Neue, pilzwiderstandsfähige Reben (PIWIs) haben im Weingut den gleichen Stellenwert wie traditionelle Sorten. Nur der Silvaner genießt Privilegien. Keine andere Rebsorte vereinigt so viele positive Eigenschaften: Qualität, Zuverlässigkeit, Ertrag und Standortgerechtheit.

Wo immer uns das Weingesetz lässt, verzichten wir auf die Prädikatsstufen. Stattdessen differenziert sich unser Weinangebot nach Trinkvergnügen, Lagerpotenzial oder die Weinbereitung in Amphoren.“

 

Aus Wein-Plus:

 

Alle Weine werden nach dem Grundsatz „bio, fair und vegan“ hergestellt. Fast alle Weine werden spontan vergoren. Auch die Weißweine durchlaufen eine Maischegärung. Die Rotweine werden in 500-Liter-Holzfässern 12 Monate ausgebaut. Als Besonderheit werden seit dem Jahrgang 2013 Orange Wines in Amphoren (Kvevri) nach Vorbild des Kachetischen Verfahrens (Georgien) produziert. Zu den Premiumweinen zählen der Orange Wine „Indigenius“ (Silvaner) sowie die Weine der Linie „Grande“ aus alten Reben. Jährlich werden 60.000 Flaschen Wein erzeugt. Es werden auch Edelbrände aus eigenem Obstanbau und Essig produziert. Das Weingut ist Mitglied bei Bioland, Inselweinmacher und Bio&Fair.

 

Da ist ja wohl ein Widerspruch bezüglich des Ausbaus in Fässern. 

 

Zufällig habe ich bei Einkäufen in einem Biohof in der Nähe von Neuss Weine von Rothe entdeckt und eine Flasche Domina aus 2012 mitgenommen. Ausgetrunken ist sie auch schon. Vollmundig und füllig. Kirschgeschmack. Stark bitter im Abgang, was sich beim zweiten Gebrauch etwas verflüchtigt hat.

 

20.02.2020 

 

Bereits 1964 begannen wir aus eigener Überzeugung mit dem ökologischen Anbau nach den Richtlinien der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise. Erst nach jahrzehntelanger Beobachtung und Erfahrung entschlossen wir uns 1991 "BIOLAND" beizutreten.

Anstatt chemische Düngung und Schädlingsbekämpfung anzuwenden, stärken wir auf natürliche Weise die Widerstandskraft des Weinstocks und die Fruchtbarkeit des Bodens. Wir erhalten so ein reiches "Bodenleben", so daß sich unser Wein von allen anderen Weinen abhebt und seine eigene Note besitzt.

 

sachkundige Kommentare (Auszüge)

 

Zitat Magazin Cicero:

 

Doch die meisten Naturweine, denen man derzeit begegnet, sind eigentlich ungenießbar. Sie schmecken wie verdorbener Fruchtsaft oder abgestandener Sherry und weisen mitunter ausgesprochen faulige Aromen auf. Spontane, unkontrollierte Vergärung, Oxidation sowie der Verzicht auf Klärung, Filtration und Schwefelzugabe zur Haltbarmachung fordern ihren Tribut. Die Weine sind geschmackliche Zeitbomben.

 

Martin Kössler:

 

Die meisten Winzer und Weinhändler wollen mit dem Trend »Naturwein«, schon der Name ist Ausgrenzung und damit Programm, nichts zu tun haben. Sie tun die Natur in seinen Weinen als fehlerhaft ab – was sie nur zu oft ist. Doch abseits der – stets sehr ideologisch geführten - Fehlerdiskussion halten wir den Trend »Naturwein« für wichtig, spannend und nötig.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Viele »Natural wines« sind zu »natürlich«. Sie scheinen nur zu oft von Winzern gemacht zu werden, die nicht zur handwerklichen Spitze gehören, weil sie im Weinberg nicht das zu tun scheinen, was sie tun müssten, im Keller dann aber das zur Natur erklären, was nicht mehr zu retten ist.

Der Glaube an die Machbarkeit der Technik, der viele Weine bis in die neunziger Jahre zu Karikaturen ihrer selbst deformierte, ist als Fehlentwicklung erkannt, trotzdem wirkt er bis heute fort, und die Vermassung des Weines seit den 2000er Jahren brachte uns jene önologische Technik, die auch aus Katastrophentrauben noch trinkbaren Wein zu machen versteht. Das alles pauschal aber zum ideologischen Gegner zu erklären, ist nicht nur brachial geschichtslos, sondern schlicht falsch, denn aus der historischen Entwicklung heraus entwickelte sich eine Winzerschaft, die auf einem Niveau nachhaltig und naturgemäß bewirtschaftet, wie es in der Geschichte des Weines so noch nie geschah.

 

Biowein erlesen:

 

Isabelle Legeron, Master of Wine, hat nach langjähriger Recherche und vielen Besuchen bei Winzern und Verbänden einige Empfehlungen aufgestellt, die für einen Naturwein eingehalten werden sollten.
Nur ein Wein, der alle Richtlinien Legerons erfüllt, wird in unserem Weinhandel biowein-erlesen als „natural wine“ abgebildet.

Hier kurz zusammengefasst die Empfehlungen Legerons:

- biologische oder biodynamische Bewirtschaftung des Weinbergs
- Handlese
- ausschließlich weinbergseigene Hefen sind für die (spontane) Gärung erlaubt, keine zugekauften Reinzuchthefen
- bis auf  Schwefeleinsatz von max. 70mg/l gesamtes So2 sind keine Zusätze erlaubt - keine Enzyme, keine Schönungsmittel, usw.
- keine Eingriffe in den Weinwerdungsprozess wie Konzentration, Osmose, usw.
- keine Filtration
- keine Chaptalisation (Anreichern des Traubensaftes mit Zucker, um in schlechten Jahren den Alkoholgehalt des Weines zu steigern)

 

Süddeutsche:

 

Ähnlich stark polarisiert Naturwein, der allerdings zuletzt immer beliebter geworden ist. Wer ihn zum ersten Mal probiert, wird einige Skepsis überwinden müssen. Da ist zum Beispiel die mitunter trübe Farbe oder der Geruch nach Fermentation, der schon mal in Richtung Apfelmost mit Sauerkraut gehen kann. Die meisten wundern sich, dass der Wein gar nicht fruchtig schmeckt, wie sie es gewohnt sind, sondern herb, würzig, ja steinig, hier und da auch nach Gemüse und Hefe. Dieser Wein lässt sich nicht nur schmecken, sondern durch sein volleres Mundgefühl fast schon spüren. Manche reagieren mit dem Impuls, ihn sofort wieder auszuspucken; mit dem festen Vorsatz, niemals wieder einen Naturwein anzurühren. Andere haben an diesem Punkt schon Blut geleckt.

 

https://www.sueddeutsche.de/stil/naturwein-mythen-1.4447479-2 

 

 

Wenn Sie auf der Suche nach Naturweinen sind, glauben Sie nicht, dass es die in Franken nur in Nordheim gibt. Aber ich denke, Ihnen genug Anhaltspunkte gegeben zu haben, wo Sie nachschauen können. Schau-hier

 

Heinz Elflein

31.12.2019

 

Bild aus Veitshöchheim

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